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Gemütlicher Rahmen für alte Kunst: In dieser Wohnzimmeratmosphäre veranstaltet Jeff Klotz zwanglose Gesprächsrunden, Vorträge und Lesungen. Foto: Seibel
Gemütlicher Rahmen für alte Kunst: In dieser Wohnzimmeratmosphäre veranstaltet Jeff Klotz zwanglose Gesprächsrunden, Vorträge und Lesungen. Foto: Seibel
28.03.2018

Neues Konzept für Kunstmuseum im Bauschlotter Schloss

Bauschlott. Einfach nur Kunst ausstellen? Das ist ihm zu wenig und zu langweilig. Jeff Klotz hatte da eine ganz andere Vorstellung und genügend Enthusiasmus und Energie, um diese auch umzusetzen. Einem ganz besonderen Kunstmuseum wollte er auf die Beine helfen, denn: „Das gibt es ja nicht in der Region“. Zumindest keines, das den Werken des 16. bis 20. Jahrhunderts seine volle Aufmerksamkeit widmet.

Klotz machte Nägel mit Köpfen, fand Mitstreiter und Sammler und schließlich auch ein angemessenes Museumsquartier, ein „Zuhause“ nennt er es. Im Schloss Bauschlott hat er mit Unterstützung der Schlossherrinnen Räume angemietet, sie mit viel Liebe zum Detail und Gespür für Ambiente mit alten Möbeln als Salon und Esszimmer im 19. Jahrhundert eingerichtet und mit alten Originalbildern ausgestattet.

Klassisches Museum? Eher ein Kunstraum, der zum Verweilen, zu Teestunden mit Gesprächen über Kunst, zu zwanglosen Vorträgen und Lesungen einlädt. Soireen nannte man das früher in der vornehmen Gesellschaft. Geblieben ist beim Bauschlotter Museumsprojekt der schöne Rahmen, verändert hat sich der Anspruch: Hier geht es nicht um künstlerisch getarntes Geplänkel, sondern um wirkliche Auseinandersetzung mit den ausgestellten Arbeiten und mit Kunstthemen. Eingeladen dazu ist jeder – vorausgesetzt, man hat sich angemeldet. Was ein Platzproblem produziert: „Mehr als 30, maximal 40 Personen sind nicht unterzubringen“, stellt Klotz mit leichtem Bedauern fest. Denn schon jetzt, nach wenigen Öffnungswochen, schaut er bei den Terminen für die Treffen auf Wartelisten. Klotz wäre nicht Klotz, wenn er das nicht in Angriff nähme – die Pläne für eine räumliche Erweiterung stehen schon.

Für den 28-Jährigen war das Bauschlotter Museumsprojekt kein Sprung ins kalte Wasser. Er leitet bereits das Römermuseum in Remchingen, ist Kurator des Archäologischen Museums Pforzheim, Organisator der Kultur- und Museumslandschaft Nordschwarzwald und Geschäftsführer des auf Kunst spezialisierten J.S. Klotz Verlages. Dabei hält die Liebe zur Kunst mit der Liebe zur Historie Schritt. Vor zehn Jahren hat er angefangen, Bilder zu sammeln, 2009, gründete er das Römermuseum, das er mit weiteren Personen ehrenamtlich betreibt. Und das so erfolgreich, dass ihm das Land Baden-Württemberg vor zwei Jahren den Archäologie-Förderpreis verliehen hat.

Auf den Lorbeeren ausruhen, das ist nicht seine Sache. Eine Idee ließ ihn nicht mehr los: „Jahrelang haben meine Partnerin und ich darüber nachgedacht, wie man in kleinem, gemütlichen Rahmen Kunst ausstellen könnte.“ Aber mit Blick auf eine eher begrenzte Begeisterung für alte Kunst sollte es kein klassisches Museum werden: „Mein Wunsch war ein Kunst- und Kulturforum, in dem man nicht akademisch über Kunst reden, sondern Kunst ansehen und Fragen stellen, mehr über das Leben in der jeweiligen Zeit erfahren kann.“ Den Grundstock für den dazu nötigen Kunstbestand hatte er selbst gelegt, Sammler aus seinem Bekanntenkreis kamen mit Leihgaben und Spenden dazu.

„Es gibt sehr viele Kunstwerke in privatem Besitz in der Region“, weiß Klotz, und ermuntert dazu, diesen Schatz nicht nur hinter verschlossenen Türen aufzubewahren. Im Februar hat Klotz die Räume im Schloss erstmals mit der Ausstellung „Sehnsucht Italien“ geöffnet, in deren Mittelpunkt die Frage nach einer Veränderung des Italienbildes steht. „Es sind sehr besondere Stücke dabei“, versichert Klotz, der mittlerweile auf einen Museumsfundus von rund 70 Bildern zurückgreifen kann. Teatime und Häppchen im Kulturwohnzimmer – dieses Konzept scheint eine besondere Anziehungskraft zu haben. Über eine Adressenliste von Interessenten lädt Klotz zu den zwei- bis dreimal im Monat angebotenen Veranstaltungen ein – das Museum ist nicht durchgehend geöffnet: „Zwei Stunden später ist das ausgebucht. Ist die Nachfrage sehr groß, wiederhole ich die Veranstaltung. Ich will keine Enttäuschung produzieren.“ Auf die Frage, ob sich das Museum und seine Veranstaltungen finanziell tragen, gibt Klotz eine klare Antwort: „Natürlich nicht. Wir sind auf Unterstützer angewiesen. Und da gibt es viele Möglichkeiten.“