Der Bund der Steuerzahler ist ein ehrenwerter Verein. Mit Inbrunst ist er auf der Suche nach Steuerverschwendung; spürt solche Kosten auf, die ohne Mehrwert tiefe Löcher in die Kassen reißen. In der aktuellen April-Ausgabe seines Magazins „Der Steuerzahler“ hat der Verband die Theater in den Fokus genommen – und sich dabei auf Erhebungen des Statischen Landesamts berufen. Theater sind – was kein Geheimnis ist – von der öffentlichen Hand subventioniert. Und das mit durchaus stattlichen Summen.
Fast 300 Millionen Euro sind in der Saison 2012/2013 an staatlicher Unterstützung in die Theater geflossen – und das bloß in Baden-Württemberg.
Verteilt sind diese Kosten auf insgesamt 45 Theater – und das ziemlich ungleichmäßig. Da wird das Karlsruher Sandkorntheater mit rund 10 Euro pro Besucher unterstützt – und das Stuttgarter Staatstheater in Stuttgart mit dem fast 20-fachen.„Das geht auch günstiger“, heißt es im Artikel. Aber ist es so einfach? „Ein solcher Vergleich ist vollkommen unsinnig“, sagt der Pforzheimer Bürgermeister Gert Hager. Seine Meinung ist verständlich. Denn ohne Kommentar steht in der Statistik beieinander, was doch fast nichts gemeinsam hat – außer den Namen Theater.
Groß gegen klein
Da werden so riesige Kulturkonzerne wie die Staatstheater Stuttgart (194 Euro Zuschuss pro Karte) verglichen mit dem Radelrutsch-Theater in Heilbronn (zehn Euro). Und wo steht Pforzheim? Im Mittelfeld – und das ziemlich genau. Durschnittlich ist ein Theaterbesuch mit 92,11 Euro subventioniert – Pforzheim steht mit seinem Wert von 94,36 Euro gut da. Vor allem wenn man eines in den Fokus nimmt.
Der Durschnitt bezieht sich auf alle Theaterformen. Das Pforzheimer Theater gehört mit Schauspiel, Ballett und Musiktheater aber zur Kategorie der Dreispartentheater – und die haben wenig gemein mit kleineren Theater. „Ein Dreispartenhaus wie Pforzheim kann man grundsätzlich nur mit Häusern ähnlicher Größe vergleichen“, sagt Uwe Dürigen, der Verwaltungsdirektor des Theaters Pforzheim. „Die kleinen Theater haben keine eigenen Werkstätten, kein so großes Ensemble – sind einfach ziemlich verschieden.“
Wie schneidet Pforzheim aber ab in seiner eigenen Kategorie? Ziemlich gut. Karlsruhe, Stuttgart, Mannheim, Freiburg und Heidelberg – sie alle sind stärker subventioniert. Pro Karte erhält bloß das Ulmer Theater weniger Zuschuss – mit einem Umfeld ohne größere Konkurrenz und höheren Kartenpreisen als in Pforzheim.
Trotzdem bleibt bestehen: Kultur ist teuer, auch wenn das Pforzheimer Theater den Steuerzahler vergleichsweise billig kommt. Ist ein so aufwendiger Betrieb noch sinnvoll, wenn doch Pforzheim sparen muss? „Auch das Theater muss seinen Beitrag leisten“, sagt Hager – und meint damit die Einsparungen von rund 20 Millionen Euro pro Jahr, die er für die Zukunft anvisiert hat. Wie soll das gehen, wenn doch alle drei Sparten bleiben sollen? „Da gibt es verschieden Möglichkeiten“, sagt Hager. „Man könnte den Aufwand bei manchem Stück verringern oder kleinere Produktion weglassen. Aber die genaue Umsetzung bleibt dem Theater überlassen.“ Das ist – wie jeder städtische Betrieb – bis zum Ende des Monats aufgerufen, Einsparvorschläge zu erarbeiten. Die werden im Mai gesichtet. Was dabei rauskommt, ist noch unklar. Ganz kostenlos wird Kultur aber auch in Zukunft nicht sein.

