Die Kanadier begeistern das Stuttgarter Publikum in der Schleyerhalle. Foto: Talmon
Kultur
Nickelback sorgt für beste Stimmung in der Stuttgarter Schleyerhalle
  • Sandra Pfäfflin

Stuttgart. Wetten: Wer heute ein paar Stunden das Radio andreht, hört mit Sicherheit einen Titel von Nickelback. Die Kanadier sind so rundfunktauglich, dass manche Sender ihre Hits so oft rauf und runter nudeln, dass einem manchmal die gute Laune vergeht.

Dass die vier aber für ganz viel gute Laune sorgen können, stellen sie beim Konzert in der Stuttgarter Schleyerhalle unter Beweis. Launige Moderationen und die Einbeziehung des Publikums sind neben der großartigen Musik des Quartetts Garanten für ein begeistertes Publikum, das die große Halle allerdings nur zu zwei Dritteln füllt.

Gerade dieser mitreißende Auftritt lässt nur schwer verstehen, warum die Rockband zwar zu den erfolgreichsten der Gegenwart gehört, aber im Ranking bekannter Musikmagazine regelmäßig den Platz der meistgehassten Band belegt. Chad und Mike Kroeger lassen ihr Publikum – mit hohem Frauenanteil – jederzeit spüren, dass sie gerne in Stuttgart sind. „Obwohl man hier getoastet wird“, konstatiert der Leadsänger angesichts der tropischen Temperaturen in der Schleyerhalle. Gerne erinnern sie sich auch an frühere Auftritte zurück – „irgendwo in einem Tunnel“. Der Rock-Club die „Röhre“ war’s im Jahr 2001, wie sich später herausstellt.

Heute ist die Show auf das neue Album „Feed The Machine“ abgestimmt – vor allem, was Bühnenbild und Lichteffekte angeht. Maschinen- und Stahloptik mit großen Schlagzeugpodest bestimmen die Szenerie und lassen jede Menge Platz für gelegentliche Bewegungseinlagen. Es sind vor allem Chad Kroeger, Gitarrist Ryan Peake und Schlagzeuger Daniel Adair, die die Show an diesem Abend abziehen – und zwar so, dass auch in der letzten Reihe noch jeder die Gags mitbekommt. Doch vor allem die Fans in der ersten Reihe dürfen mitmachen: hochprofessionell zum Beispiel Tatjana, die bei „Rockstar“ auf die Bühne geholt wird, sehr authentisch der junge Mann, der dann zur Gitarrenbegleitung auch ein wenig mitsingen kann.

Manchmal erscheinen Nickelback wie eine Band mit zwei Gesichtern: Da sind die rockigen Seiten, wie die des neuen Albums, das gleich zu Beginn mit dem Titeltrack „Feed The Machine“ gefeiert wird. Da klingt vieles von Alternative Rock und Post-Grunge durch, aber da sind natürlich auch die gigantischen Charterfolge, die immer mal wieder für Kreisch-alarm sorgen: „Photograph“, das balladenhafte „Far Way“, die Popnummer „Someday“ und natürlich „What Are You Waiting For?“. Gemeinsam mit dem Publikum zelebriert Chad Kroeger seinen Song „Hero“ für den Spider-Man-Film.

Und wenn die Kanadier zum Schluss den Mega-Hit „How You Remind Me“ anstimmen, dann ist kein Halten mehr: Partytime. Die endet erst nach zwei Zugaben: Dem mainstreamigen „Go To Be Somebody“ und „Burn It To The Ground“, bei dem Frontmann Chad und seine genauso durchgeschwitzten Bandmitglieder bei krachendem Sound, Nebelschwaden und Lichtshow noch mal so richtig abrocken. Das kann Hörfunk wahrlich nicht bieten.