Kiel/Pforzheim. Es gibt sie bereits seit biblischen Zeiten: Die Schalmei gilt als eine Vorläuferin der Oboe, die zum Instrument des Jahres 2017 gekürt wurde. Der Name Oboe komme aus dem Französischen und bedeute „lautes Holz“, erläutert der Präsident des Landesmusikrats Schleswig-Holstein, Volker Mader. Sein Verband kürt seit 2008 das Instrument des Jahres. Seit der Barockzeit besitzt die Oboe einen festen Platz im Orchester. Ihr leicht zu identifizierender charakteristisch näselnder Klang gibt nicht nur der Ente im musikalischen Märchen „Peter und der Wolf“ Gestalt.
Besondere Atemtechnik
Die Oboe sei allerdings wegen der besonderen Atemtechnik schwieriger zu spielen als andere Blasinstrumente, betonte Professor Diethelm Jonas von der Musikhochschule Lübeck bei der Präsentatition im Kieler Landeshaus. Eine Einschätzung, die auch der Pforzheimer Oboist Nigel Treherne teilt. Der gebürtige Engländer hat rund 40 Jahre bei der Badischen Philharmonie mitgespielt – und auch mit über 60 Jahren noch die fordernde Stelle des Solo-Oboisten besetzt. „Wenn man eine Viertelstunde ein solistisches Oboenstück spielt, ist das ungefähr so anstrengend wie eine Stunde Dauerlauf“, sagt Treherne. Als er sich in der Jugend entschieden habe, habe er nicht gewusst, wie fordernd das Instrument sei. „Ich habe mich für die Oboe wegen ihres Klangs entschieden.“ Denn der sei wirklich beeindruckend. „Etwas eigenwillig, obertonreich – und sehr lieblich.“ Da sei es selbstverständlich, dass vornehmlich die Oboe eingesetzt werde bei Liebesszenen im Film und in der Oper. „Aber sie kann auch sehr witzig klingen.“
Schwieriger Start
Nur sei das eben mit großer Anstrengung verbunden. „Am Anfang ist es richtig schwer.“ Da würden die meisten Oboenschüler schon Schwierigkeiten haben, dabei zu bleiben. „Wer die ersten vier Monate übersteht, für den wird es leichter“, sagt Treherne. Es sei eben eine hohe Anstrengung, der man als Oboist ausgesetzt sei.
Sport ist wichtig
„Ich rate meinen Schülern, dass sie Sport machen, Schwimmen zum Beispiel – sonst packen sie es nicht.“ Unsportliche Oboenspieler gebe es zwar schon „Aber die sind dann halt keine guten Oboisten.“ Die Anstrengung sehe man den Musikern im Übrigen auch an – viele hätten einen ziemlich roten Kopf beim Spielen. „Es gibt sogar Gerüchte, dass man verrückt wird, wegen des Drucks im Kopf“, sagt Treherne „Aber das kann ich nicht bestätigen: Mir geht’s noch gut dabei.“ Im Übrigen scheint sich die Mühe zu lohnen. Treherne hält den Titel „Instrument des Jahres“ für verdient: „Da haben sie sehr gut entschieden.“


