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Komik zwischen Brunft-Lauten, Parodie und Meinungs-Diarrhöe: Ingo Appelt ist seit mehr als 30 Jahren im Geschäft.  Foto: Frommer 

Ohne Punkt und Komma: Ingo Appelt gab im Kulturhaus Osterfeld den „Staats-Trainer“.

Pforzheim. Unter den hiesigen Komikern zählt er zu den echten Dauerläufern. Seit mehr als 30 Jahren steht Ingo Appelt (53) inzwischen „auf den Brettern, die die Welt bedeuten“. Im Kulturhaus Osterfeld verriet er dem Publikum am Sonntag: „Bin froh, dass ich spielen darf“. Und: „Ich hab’ ja so Meinungs-Diarrhöe. Mir macht das Spaß.“

Im Tempo eines frisch geladenen Duracell-Hasen trommelt er die vorbereiteten Gags heraus – in einem Hochgeschwindigkeits-Monolog, den er anderthalb Stunden ohne Punkt und Komma durchzieht, ungefähr wie ein hoch überlegener Poolbillardspieler eine einseitige Partie gestaltet, bei der sein Gegenspieler überhaupt nicht zum Stoß kommt.

Appelts Solo-Auftritt hat seine besten Momente, sobald er Bonobo-Brunftlaute, betont lautes Räuspern am Mikrofon und Hooligan-Gegröle für mehrere Sätze hinter sich lässt und sich dem Widersinn des aktuellen Geschehens und den politischen Galionsfiguren zuwendet. Kostprobe gefällig? „Veganes Wasser von Evian in einer Plastikflasche: Wir haben Corona verdient.“ Oder: „Merkel soll angeblich ein Reptiloid sein. Quatsch! Das ist totaler Blödsinn. Merkel hasst Reptilien. Die kommt vom Merkur; ein Engel vom Merkur. Hat sich nicht gut getarnt; schon fast schlampig. Die ist vor 65 Millionen Jahren mit einer grandiosen Arschbombe im Golf von Mexiko gelandet. Wuff. Danach sind die Dinosaurier ausgestorben. Exe verreckse! Das war ihre erste Umvolkung. Und jetzt sind wir dran. Das klingt alles schlimm, oder? Ja, ich hab’ mir den Weltuntergang auch anders vorgestellt. Die Welt ist am Ende, die Menschheit in Not, doch am schlimmsten von allem ist: Berlin hat Alkoholverbot.“ Zeit zum Reflektieren lässt Appelts Programm den Zuhörern nur selten. Nach dem von ihm beschriebenen Stage-Diver Habecks funktioniert selbst der winzige Hinweis: „Altmaier hat’s probiert …“

Ansonsten gilt meist: Entweder der Gag sitzt auf Anhieb, oder das Thema wird in dem Komik-Marathon eben ohne Lacher gewechselt. Schade eigentlich, denn allein eine so geniale Appelt’sche Wortkreation wie „Bauchtanzmariechen“ gehört unbedingt zu Ende gespielt. Weit über den gewählten Einstieg „Integration“ hinaus.

Und dabei wäre Ingo Appelt in einer Parodie des Sirtaki tanzenden Kaya Yanar sicher sehenswert. Herbert Grönemeyer, Udo Lindenberg, Mario Barth, Olaf Schubert, Till Schweiger und Rüdiger Hoffmann hat er ja ohnehin im Repertoire – jedenfalls bei seinen Auftritten außerhalb der Corona-Zeiten.