Pforzheim. Es klingt wie ein Märchen: Mit drei Jahren hört die kleine Eva gemeinsam mit ihren Eltern eine Fernsehübertragung von Bizets „Carmen“. Und beschließt: Das will ich auch können. Vier Jahre später bekommt sie von der Oma eine Langspielplatte mit Mozarts „Zauberflöte“ geschenkt. Und mit 19 steht sie dann als wohl jüngste Königin der Nacht an der Wiener Staatsoper auf der Bühne. Bis auf eine kurze Atempause ist Eva Lind ihrem Traum treu geblieben, hat an allen wichtigen Opernhäusern dieser Welt gastiert, alle großen Partien gesungen, feierte mit Pavarotti, Domingo, Carreras und Co. Triumphe, sang mit Udo Jürgens, Udo Lindenberg und ist mit ihren Shows nicht nur in ihrer Heimat Österreich ein TV-Star. Im Oktober kommt Eva Lind nach Pforzheim. Vorab erzählt sie schon mal, was die Besucherinnen und Besucher erwartet und gibt einen Einblick in ihr Leben.
PZ: Das Klassik-Publikum wird immer älter. Wie kann es gelingen, auch junge Menschen für diese Musik zu begeistern?
Eva Lind: Gott sei Dank hat sich die Situation nach den drei Jahren Corona normalisiert und die Menschen können sich wieder an klassischer Musik in Opernhäusern und Konzerten erfreuen. Dieses gemeinsame Musikerlebnis ist einfach wunderschön. Bei unserem Konzert „Juwelen der Musik“ setzen wir voll auf erfolgreiche und berühmte Meisterwerke der Klassik – und wir merken, dass gerade diese Stücke auch beim jüngeren Publikum sehr gut ankommen. Das entspricht im Übrigen auch dem Erfolg populärer Klassiksender. Darüber hinaus präsentieren wir in unserem Konzert in der Schlosskirche einige Nachwuchsstars der Klassik. Das heißt, die besten Absolventen der Eva Lind Musikakademie Tirol, die auf internationalem Niveau spielen und singen und eine mitreißende Freude am klassischen Musizieren haben.
Sie sind nicht nur als Opernsängerin auf den großen Bühnen dieser Welt gestanden, werden als Lied-Interpretin gefeiert und moderieren beliebte Shows im Fernsehen. Sind diese Vielfalt und Vielseitigkeit eher anstrengend oder beglückend?
Mir hat immer die Abwechslung viel Freude gemacht: zum einen natürlich die herausfordernden Opern- und Konzertpartien – hier durfte ich auf Bühnen wie der Mailänder Scala, der Wiener Staatsoper oder der Carnegie Hall in New York stehen und und mit Dirigenten wie Claudio Abbado, Nikolaus Harnoncourt oder Daniel Barenboim musizieren. Genauso hat mir aber auch ein kleiner feiner Liederabend bei diversen Festivals sehr viel Spaß gemacht. Außerdem fand ich es immer sehr interessant und spannend, E- und U-Musik auf hohem Niveau miteinander zu verbinden und gerade mit dem Medium Fernsehen ein Millionenpublikum erreichen zu können.
Sie sind Sängerin, Malerin, Gesangspädagogin, Leiterin der Eva Lind Musikakademie Tirol und als Botschafterin der ZNS–Hannelore-Kohl-Stiftung sowie für Care International im karitativen Einsatz. Obwohl sie häufig in allen Medien präsent sind, erfährt man wenig über ihr Alltagsleben. Wie wichtig ist es Ihnen, Ihre Privatsphäre zu schützen?
Natürlich bin ich mit diesen vielen Tätigkeiten sehr ausgelastet – eines kann ich jedoch gerne verraten: Das „Garteln“ macht mir besonders viel Freude. Dabei kümmere ich mich nicht nur um schöne Blumen und Sträucher, sondern pflanze auch ganz handfest Obst und Gemüse an – wobei ich zugeben muss, das meine Weinreben noch nicht zu großem Ertrag geführt haben… Ich muss die gute Flasche Rotwein immer noch zukaufen.
Sie sind häufig privat in Afrika unterwegs. Was fasziniert Sie am Reisen und insbesondere an diesem Kontinent?
Ich hatte schon seit meiner frühesten Jugend die große Sehnsucht, Länder und Menschen kennenzulernen. Dabei hatte ich das Glück, dass mich mein Beruf in viele Länder geführt hat und ich dort musizieren durfte. Besonders in Afrika haben mich die unglaubliche Fröhlichkeit und Freundlichkeit der Menschen fasziniert, und die Konzerte gemeinsam mit afrikanischen Musikern haben mich besonders berührt und bereichert.
Bis jetzt hört die Reiselust nicht auf und ich habe immer noch das eine oder andere Traumziel, wobei das Gute nicht immer so weit weg sein muss – im Moment plane ich einen Abstecher nach Montenegro.
In den vergangenen Jahren haben Sie sich von der Opernbühne zurückgezogen – sicherlich in Zeiten, in denen viele Inszenierungen die Werke heftig gegen den Strich gebürstet haben. Wer oder was könnte Sie reizen, einmal wieder zurückzukehren?
Wenn der Großmeister Loriot heute noch unter uns wäre, würde ich sofort bei allem zusagen und mitmachen (lacht).
Was steht denn konkret in den kommenden Monaten auf Ihrem Plan?
Neben Konzerten und Meisterkursen im In- und Ausland freue ich mich besonders auf einen Höhepunkt in diesem Sommer: mein viertägiges Festival „Klassik Unique“vom 13. bis 16. Juli in Achenkirch in Tirol – ein Open Air in wunderbarer Bergkulisse. Dort werden wir nicht nur Weltstars der Klassik, sondern auch – als besonderes Schmankerl – einen TV-Star begrüßen: Normalerweise spielt er den Polizeihauptmeister Michi Mohr in der Kultserie „Die Rosenheim-Cops“, bei uns zeigt sich der ausgebildete Opernsänger Max Müller von seiner musikalischen Seite.
Und was erwartet die Besucherinnen und Besucher beim Benefizkonzert in der Pforzheimer Schlosskirche?
Wir haben ein fulminantes Programm für das Publikum vorbereitet: Wir präsentieren Juwelen der klassischen Musik – die schönsten Höhepunkte für Gesang und klassische Instrumente. Unter anderem sind Meisterwerke von Mozart, Franz Schubert, Giacomo Puccini und Franz Lehár dabei.
Hier wird jeder garantiert auf seine Kosten kommen.



