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Martin Strohhäcker kennt die Weigle-Orgel in Conweiler gut.  Foto: Avolio 

Orgelromantik und Flötenzauber zum Jubiläum: Konzert in der Conweiler Martinskirche

Straubenhardt-Conweiler. „Eine Kirche ohne Orgel ist wie ein Körper ohne Seele“ (Albert Schweitzer). Die Seele der Conweiler Martinskirche, einer freundlich-hellen, mit floralen Arabesken ausgeschmückten Jugendstil-Kirche, ist die nach ihrem Stuttgart-Echterdingener Orgelbaumeister so benannte Weigle-Orgel. Das in seinem Originalzustand erhaltene, beziehungsweise wieder hergestellte Orgeljuwel feiert heuer – wie das Gotteshaus selbst – sein 110-jähriges Bestehen.

Grund genug für ein festliches Jubiläumskonzert, für das alte Bekannte als Interpreten gewonnen werden konnten. Nämlich der Organist Martin Strohhäcker, der vor gut 30 Jahren als Bezirkskantor im Kirchenbezirk Neuenbürg tätig war und auch die Weigle-Orgel bespielte. Inzwischen ist Strohhäcker Professor für künstlerisches Orgelspiel an der Dresdner Hochschule für Kirchenmusik. Nach Conweiler brachte er seine Gattin Gudrun mit, ebenfalls eine hochkarätige Kirchenmusikerin und Spezialistin an verschiedenen Flöten. Orgelromantik und Flötenzauber waren angesagt und begeisterten in jeder Hinsicht.

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Gudrun Strohhäcker an der Querflöte. Foto: Avolio

Die Weigle-Orgel ist ein spätromantisch ausgelegtes Instrument mit sinnlich weicher, ja besinnlich wirkender Klangentfaltung. Triumphales Orgelbrausen ist nicht ihre Stärke. Außerdem ersetzte Gudrun Strohhäcker mit ihren Flöten gewissermaßen die Bläser-Register der Orgel und übernahm wesentliche Melodien im musikalischen Liniengeflecht, was der Orgel filigrane Klanguntermalungen erlaubte. Genau darauf hatten die Strohhäckers ihr Konzertprogramm mit entsprechenden Bearbeitungen ausgerichtet.

Das einleitend musizierte „Andante pastorale“ aus der a-Moll-Orgelsonate von Josef Rheinberger (1839-1901) beeindruckte mit sattem Querflöten-Raumklang über samtig-dunklem Orgel-Pedal. Auch das zweite Stück erfreute mit feierlichem Klangcharakter. Die Sonate in a-Moll des französischen Barock-Komponisten Jean Baptiste Loeillet (1688-1720) zeichnete sich durch die Besonderheit aus, dass die beiden langsamen Sätze mit der sehr selten zu hörenden Bassblockflöte, die schnellen mit Altblockflöte und jeweils zurückhaltender Orgelbegleitung geboten wurden, was die Kontraste der prächtigen Klangfarben und der virtuosen Dynamik verstärkte.

Zu dem für Flöte und Orgel bearbeiteten „Lied ohne Worte“ von Felix Mendelssohn-Bartholdy erhellten an dem regnerischen Tag auf sinnfällige Weise Abend-Sonnenstrahlen den Kirchenraum. Vierhändig, was an der Orgel sehr selten vorkommt, spielten die exzellenten Kirchenmusiker die Fantasie d-Moll des Organisten Adolph Friedrich Hesse (1809–1863) und zeigten schwungvoll, dass auch die Conweiler Orgel bei vollem Plenum raumfüllend tönen kann. Ein Zwiegespräch zwischen Querflöte und dem Gamben-Register der Orgel bestimmte die „Cantilène pastorale“ des französischen Romantikers Alexandre Guilmant (1837-1911).

Mit einem Soloauftritt brillierte Gudrun Strohhäcker: Klangschön-verträumte Variationen zu einem niederländischen Volkslied aus „Der Fluten Lust-Hof“ von Jacob van Eyck (um 1590–1657), gespielt auf einer nachgebauten Renaissance-Sopranflöte, zelebrierten lieblichen Vogelgesang. Die „Romance“ von Camille Saint-Saens (1835-1921) und die „Sicilienne“ von Gabriel Fauré (1845-1924) rundeten den Abend stimmungsvoll ab.