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Die Arbeit in einem Kulturzentrum ist Maria Ochs gewöhnt. Seit fast 20 Jahren leitet sie das Theater und Kulturzentrum „Alte Mühle“ im hessischen Bad Vilbel.  Foto: Müller 

PZ-Interview mit Maria Ochs, neue Geschäftsführerin im Osterfeld: „In Pforzheim bin ich daheim“

Nach fast 30 Jahren in Hessen kommt die gebürtige Pforzheimerin Maria Ochs zurück in ihre Heimat. Ab Januar wird sie das Kulturhaus Osterfeld als Nachfolgerin von Gerhard Baral leiten. Wie es dazu kam, und was sie vorhat, verrät sie im PZ-Interview.

PZ: Sie sind in Pforzheim geboren und in Neuhausen aufgewachsen. Mit welchen Gefühlen kommen Sie zurück in die Region?

Maria Ochs: Meine komplette Familie wohnt schon immer in Pforzheim und Neuhausen; zu Besuchen war ich oft in der Region – und eigentlich nie wirklich weg. Mein aktueller Wohnort Frankfurt ist mein Zuhause; aber in Pforzheim und Neuhausen bin ich daheim.

PZ: Wie sind Sie auf die Stelle aufmerksam geworden?

Maria Ochs: Im Bereich der Kulturzentren kennt man sich einfach – gerade, wenn es um Pforzheim geht. So habe ich davon erfahren, dass Gerhard Baral das Schmuckjubiläum 2017 organisiert und eine neue Leitung für das Kulturaus Osterfeld gesucht wird. Ich habe gut überlegt und mich dann für die Bewerbung entschieden. Ich wusste, dass ich den passenden Hintergrund habe – mit der Zusage habe ich aber nicht unbedingt gerechnet.

PZ: Wenn Sie zurückblicken: Erinnern Sie sich an den Vorgänger des Kulturhauses Osterfeld – das Kulturzentrum „Goldener Anker“?

Maria Ochs: Das war mir schon als Jugendliche ein Begriff. Ich war oft dort, obwohl es manchmal schon schwer war, ohne Auto von Neuhausen nach Pforzheim zu kommen.

PZ: Und die Entwicklung des Kulturhauses Osterfeld haben Sie auch von Bad Vilbel aus verfolgt?

Maria Ochs: Beruflich war ich manchmal bei Auftritten im Osterfeld. Einfach, um neue Künstler kennenzulernen und zu sehen, ob sie auch für unser Theater infrage kommen. Bei meinen sonstigen Besuchen in Pforzheim und Neuhausen stand aber meine Familie im Fokus.

PZ: In Bad Vilbel hatten Sie es mit einer völlig anderen Situation als in Pforzheim zu tun. Dort das kleine Kurstädtchen in zehn Kilometern Entfernung von Frankfurt – und hier die Großstadt, die ihr Kulturangebot im umkämpften Markt zwischen Stuttgart und Karlsruhe behaupten muss. Wird dieser Unterschied eine große Rolle spielen?

Maria Ochs: Auch in Bad Vilbel habe ich immer versucht, ein Programm zu gestalten, das viele unterschiedliche Menschen interessiert. Manche Veranstaltungen haben eine eher lokale Reichweite, mit manchen Veranstaltungen haben wir aber ebenso Besucher aus Frankfurt angesprochen. Die eine Veranstaltung hat den Fokus auf Unterhaltung gelegt, die andere wiederum auf Bildung. Natürlich muss ich mich in Pforzheim auch erst einfinden und lernen, was die Leute hier interessiert. Aber auch in Pforzheim will ich die Vielfalt beibehalten – und hoffe, dass für jeden eine interessante Veranstaltung dabei ist.

PZ: Werden Sie den Fokus mehr auf politisches Kabarett oder auf Comedy setzen?

Maria Ochs: Diese beiden Arten der Unterhaltung schließen sich nicht aus. Beides wird seinen Platz haben. Gerade das politische Kabarett hat Zukunft – wie man an manch jüngeren Kabarettisten sieht –, es gibt da sehr brillante Köpfe. Außerdem bin ich überzeugt, dass auch junge Leute politisch sind – und sich für eine humoristische Herangehensweise an politische Themen interessieren.

PZ: In Ihrer Arbeit in Bad Vilbel haben Sie die Anfänge vieler bekannter Kabarettisten wie Dieter Nuhr und Urban Priol miterlebt, die für das „Theater Alte Mühle“ nun eine Nummer zu groß sind. In Pforzheim werden Sie mit diesen Künstlern wieder zusammenarbeiten: Haben Sie einen Karriereschritt nach vorne gemacht?

Maria Ochs: Die neue Stelle am Kulturhaus Osterfeld empfinde ich auf jeden Fall als Karriereschritt. Den mache ich aber nicht an der Berühmtheit der auftretenden Künstler fest. Denn das ist nicht immer der einzige Gradmesser für Qualität. Was für mich entscheidend ist: in Pforzheim ist die Bandbreite der Veranstaltungen größer, das Kulturhaus ist äußerst vielfältig aufgestellt. Ich freue mich sehr darauf, gemeinsam mit dem Team diese verantwortungsvolle Aufgabe zu meistern.

PZ: Mit dem Theater Pforzheim gibt es eine weitere große Kulturinstitution in der Stadt: Setzen Sie da eher auf Zusammenarbeit oder Abgrenzung?

Maria Ochs: Es ist selbstverständlich, dass ich Kontakt zu den Kollegen aufnehme. Jede Art von Kooperation und Vernetzung finde ich gut. Für konkrete Ideen ist aber jetzt noch nicht der richtige Zeitpunkt. Abgrenzung finde ich im Kulturbereich im Übrigen nie sinnvoll.

PZ: Wie sieht Ihr weiterer Fahrplan aus?

Maria Ochs: Im September werde ich mich den Mitarbeitern vorstellen. Ich werde mir in Pforzheim eine Wohnung suchen, hier leben – und im Januar meine Arbeit beginnen.