Pforzheim. Wann haben Sie Ihren letzten Liebesbrief geschrieben? Martin Seidler jedenfalls kann sich noch daran erinnern. Er ist aber auch Fachmann, gastiert er doch mit seinem Programm „Liebe trifft den richtigen Ton“ im PZ-Forum.
PZ: Sportjournalismus, SWR-Landesschau und „Kaffee und Tee“ – viele Fernsehzuschauer kennen sie aus Ihren Sendungen. Nun stellen Sie eine ganze andere Seite vor. Wie kamen Sie zu Ihrem Thema Liebesbriefe?
Martin Seidler: Ich hatte vor einigen Jahren nach einer Lesung in der Arkadenbuchhandlung in Freudenstadt von der Inhaberin Gudrun Krüper ein Buch geschenkt bekommen: „Schreiben Sie mir oder ich sterbe“ aus dem Piper Verlag, voll mit wunderbaren Liebesbriefen berühmter Persönlichkeiten. Beim Schmökern hatte ich die Idee, diese Liebesbriefe mit Musik zum Leben zu erwecken, weil ich schon häufiger Poesie und Musik auf Hörbüchern zusammengebracht hatte. Liebesbriefe waren da eine neue Herausforderung!
Wie geschah die Auswahl?
Nachdem ich mit Kristina Stelter eine großartige Pianistin gefunden hatte, haben wir gemeinsam geguckt, welche Briefe sich am schönsten umsetzen lassen. Jeder hat seine Favoriten rausgesucht, und es gab auch eine große Schnittmenge. Aber wir haben es ja nicht bei Briefen belassen, sondern auch wunderschöne Liebesgedichte gefunden, die wir dann vertont haben.
Und wie passt die vorgetragene Lyrik zum musikalischen Ton?
Ich würde eher sagen wollen, wie die Musik zu den Briefen passt. Kristina interpretiert die Stücke so am Flügel, dass sie zur Filmmusik fürs Kopfkino wird. Bei den Briefen großer Komponisten haben wir natürlich auch Stücke von diesen Komponisten ausgesucht, zum Beispiel Beethoven, Mozart und auch Edith Piaf. In den anderen Fällen sind wir auf Stimmungssuche gegangen, und so werden die Worte von Rainer Maria Rilke zum Beispiel von Bachs „Air“ umspielt.
Welche Bedeutung haben Liebesbriefe im Zeitalter von SMS und WhatsApp überhaupt noch?
Klar kann man seine Liebe auch digital bekunden, aber ich finde, die Worte bekommen mehr Gewicht, wenn man zu Stift und Papier greift, seine Gedanken durch die Finger laufen lässt. Es wirkt einfach intensiver und zeigt, dass man sich Zeit nimmt für den Menschen, den man liebt.
Wenn man beispielsweise den Kritiker Marcel Reich-Ranicki zitiert, muss man dann auch seinen Tonfall treffen?
Ich zitiere Reich Ranicki in unserem Programm nur, um die Bedeutung der Dichterin Mascha Kaleko hervorzuheben. Aber wenn ich drüber nachdenke, könnte man es auch als eine Liebeserklärung deuten. Und je nach Stimmung am Abend verfalle ich dann gerne auch mal in den typischen „Ranicki-Tonfall“ und werde dann aber auch sofort wieder ernst. Aber ein bisschen Augenzwinkern darf schon sein, finde ich!
Wird das nicht alles ein wenig kitschig – oder ist das pure Absicht?
Ich würde sagen, es wird ein hoch romantischer Abend, an dem die Gäste an dem ein oder anderen Seufzer, ob schmachtend, erinnernd oder schmunzelnd nicht vorbeikommen.
Wann haben Sie Ihren letzten Liebesbrief geschrieben?
Lassen Sie mich kurz nachdenken … Das war kurz vor Weihnachten, am Kennenlerntag von meiner Frau und mir.

