
- Eckehard Uhlig
Pforzheim. Man hatte keine Ahnung, was kommt – ähnlich wie „Parzival“ im gleichnamigen Stück von Lukas Bärfuss, das im Pforzheimer Theater Premiere feierte. Der Schweizer Autor war 2003 nach furiosen Aufführungen seines Dramas „Die sexuellen Neurosen unserer Eltern“ von der Zeitschrift „Theater heute“ zum „Nachwuchsdramatiker des Jahres“ hochgejubelt worden. 2018 bezeichnete freilich dieselbe Kritik sein für das Mannheimer Nationaltheater geschriebenes Auftragswerk „Der Elefantengeist“ über Helmut Kohl als „schäbiges, witzlos zusammengezimmertes Machwerk“. Sein nach Wolfram von Eschenbachs mittelhochdeutschem Versroman „Parzival“ gearbeitetes Schauspiel, zeitlich genau in der Mitte 2010 in Hannover uraufgeführt, ist kein großes Theater, aber zumindest ein großer archaischer Stoff, den Bärfuss dank seiner überaus originellen Bearbeitung für uns Heutige, für das Hier und Jetzt öffnet. Davon konnte man sich in Jasper Brandis‘ gelungener Pforzheimer Inszenierung überzeugen.
Bärfuss konzentriert sich verkürzend auf die inhaltliche Grundstruktur des Eschenbach-Textes und lässt die reichhaltigen Zweit- und Nebenhandlungen samt ihrer Figuren weg. Aus Liebe von der Außenwelt abgeschottet zieht Königin Herzeloyde ihren Sohn Parzival in der Einöde einer
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