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23.07.2015

Patti Smith bei Zeltival im Karlsruher Tollhaus

Karlsruhe. „Talkin’ About My Generation“ schmettert die schweißgebadete alte Dame des Punk-Rock den Menschen entgegen. Im Publikum des ausverkauften Karlsruher Tollhauses gibt’s bei tropischen Temperaturen kein Halten mehr, als die kantige Hymne der Rock-Heroen von The Who mit brachialer Gewalt den Raum erfüllt.

Höhe- und Schlusspunkt eines Zeltival-Abends mit Patti Smith, der weitgehend von der Strahlkraft und Dynamik einer Musikerin lebte, die alle Höhen und Tiefen einer Musikerkarriere durchlebt hat. „I hope I die before I get old“, schreit die 68-jährige in Würden Ergraute wie zum Trotz mit ihrer tiefen, beschwörenden Stimme die Zeilen aus Pete Townshends Hit heraus. Ihre Generation – oder besser viele ihrer Liebhaber, Freunde und Mitmusikerfreunde – haben verdammt ernst gemacht mit dem frühen Tod: sei es der verstorbene Ehemann Fred Sonic Smith, Idol Jimmy Hendrix, Musikerfreund Lou Reed oder ihre große Liebe Robert Mapplethorpe, der für das legendäre Album „Horses“ auch das Titelfoto brillant in Szene setzte.

Und eben dieses Album steht im Mittelpunkt eines in der Tat heißen Tollhaus-Abends. Musikalische Gründe gibt’s zuhauf, schließlich listete das „Rolling Stone Magazin“ „Horses“ auf Platz 44 der 500 besten Alben aller Zeiten. Song für Song wird das Album gespielt – exakt in der Reihefolge der genau 40 Jahre alten Vinyl-Scheibe.

Los geht’s – pünktlich – mit der Van-Morrison-Komposition „Gloria“, die Patti Smith zur knalligen Punk-Hymne umzuwidmen weiß. Kein gemächliches Warm up – sondern gleich in die Vollen, getragen vom wuchtigen Gitarrensound der Band und umsichtig gelenkt von Gitarrist Lenny Kaye, der schon bei der Plattenproduktion mit von der Partie war.

Der programmatische Teil des Konzerts endet wie das Album mit „Elegie“, einer zarten Widmung an Jimmy Hendrix und all diejenigen aus Smiths weiten Musikerumfeld, die – was wohl? – mittlerweile das Zeitliche gesegnet haben. Eine nahezu in Gedichtform deklamierte Litanei, die ihre Wirkung auf das die Besucher nicht verfehlt. Haben die doch fast durchgängig das 50. Lebensjahr mehr oder weniger weit hinter sich. Memento mori kann da nichts schaden – auch nicht in einer heißem Sommernacht bei einem so erfrischend-lebendigen Konzert.