Mit Degen und Handschuh: Selbstporträt um 1638. Foto: Städel/dpa
Selbstbildnis im Kreise seiner Freunde: Rubens (vorne) malt sich und die Gleichgesinnten der Mantuaner Zeit. Foto: Städel/dpa
Das Doppelporträt Rubens und Isabella Brant in der Geißblattlaube von 1609. Foto: Städel/dpa
Die neue Liebe: Hélène Fourment. Foto: Städel/dpa
Kultur
Peter Paul Rubens: Claudia Baumbusch stellt im PZ-Forum den Maler vor
  • Sandra Pfäfflin

Pforzheim. Sammler und Kosmopolit, Gelehrter, Diplomat und vor allem Künstler: Peter Paul Rubens war eine faszinierende Persönlichkeit und „ein ausgesprochen selbstbewusster Mann“, sagt Claudia Baumbusch bei ihrem Vortrag im PZ-Forum mit Blick auf sein „Selbstbildnis im Kreise der Mantuaner Freunde“ (1602/1605), „in dem sein Gesicht am hellsten herausstrahlt“.

Gerne hat sich der Superstar des Barocks in der Pose eines Adligen gemalt: Mit Degen und Handschuh, selbst als er noch lange nicht in den Adelsstand erhoben war.

Die Jugendjahre

Peter Paul Rubens stammt aus einer angesehenen Familie, die durch die religiösen Auseinandersetzungen in den Niederlanden des ausgehenden 16. Jahrhunderts gebeutelt wird. 1568 fliehen der Jurist Jan Rubens und seine Frau Maria Pypelinckx, die aus einer wohlhabenden Antwerpener Familie stammt, ins sichere Deutschland. In Köln erhält Rubens eine Anstellung als Berater Anna von Sachsens, die Frau des Statthalters Wilhelm von Oranien. Sie wird eine enge Vertraute – unter Folter gesteht er ein Verhältnis mit ihr ein und kommt 1571 ins Gefängnis der Festung Dillenburg, wo die Hinrichtung droht. Doch Maria zahlt eine hohe Kaution, der Gatte wird freigelassen, steht aber unter Hausarrest in Siegen. Dort wird am 28. Juni 1577 der Sohn Peter Paul geboren – als eines von insgesamt sieben Kindern. Die Familie zieht wieder nach Köln, wo Jan Rubens 1587 stirbt. Die Mutter kehrt mit den Kindern zurück in die Heimatstadt, wo Peter Paul Unterricht in Griechisch und Latein erhält. 1591 vermittelt ihm die Mutter eine Stelle als Page in Diensten der Gräfin Marguerite de Ligne – „eine Aufgabe, die seinem intellektuellen Geist sicher nicht gerecht wurde“, mutmaßt Baumbusch. Denn nur wenig später schlägt der damals 15-Jährige eine ganz andere Karriere ein: Er studiert bei verschiedenen Malern, wird 1598 in die Lukas-Malergilde in Antwerpen aufgenommen.

Die italienischen Jahre

Im Mai 1600 bricht Rubens nach Italien auf und tritt in den Dienst des Mantuaner Hofs. Auf dem Weg dorthin macht er Station in Venedig, lernt die Werke Tintorettos und vor allem Tizians kennen, die einen großen Einfluss auf seine Kunst haben werden. 1601 reist er nach Rom – und eine neue Welt offenbart sich: Die der Antike und der Renaissancekünstler, wie Raffael und Michelangelo. Aber auch Zeitgenossen wie Caravaggio und Adam Elsheimer werden zu lebenslangen Inspirationsquellen. 1603 führt ihn seine Studientour an den königlichen Hof in Spanien, wo weitere Gemälde entstehen. Im Herbst 1608 liegt die Mutter im Sterben: Peter Paul kehrt zurück nach Antwerpen – allerdings zu spät. Doch er bleibt in seiner Heimatstadt.

Die Jahre des Erfolgs

Antwerpen ist zu dieser Zeit die große Handelsmetropole in Europa, weit mehr als Amsterdam. Den Menschen geht es gut: Das Königspaar Albert und Isabella, Regenten der spanischen Niederlande, herrscht vom Hof in Brüssel aus mit glücklicher Hand und bietet Rubens an, als Hofmaler in seine Dienste zu treten. Am 8. Oktober 1609 heiratet Rubens – die 18-jährige Isabella Brant, Tochter aus bestem Hause: „Eine Liebesheirat“, sagt Baumbusch, „wie sich auch an seinem Gemälde mit Isabella in der Geißblattlaube ablesen lässt.“ Ein staatliches Haus wird erworben und Rubens mit Aufträgen überschüttet: Altäre, Kirchenausstattungen – seine riesige Werkstatt boomt, auch dank vieler Mitarbeiter, darunter so bekannte Künstler wie Jan Breughel der Ältere, der Teile der „Madonna im Blumenkranz“ malt. Die 1620er-Jahre sind für Rubens sehr bewegt: Die französische Königsmutter Maria de Medici lässt ihn für ihren Pariser Wohnsitz einen umfangreichen Zyklus malen, seine diplomatische Tätigkeit führt ihn mitten im Dreißigjährigen Krieg nach England. Er muss zwei Schicksalsschläge verkraften: Tochter Clara Serena stirbt 1623, seine geliebte Ehefrau Isabella 1626.

Das späte Glück

Rubens hat genug von der Politik, konzentriert sich ganz auf seine Kunst und die neue Liebe: „Sie ist 16, er 54“, schildert Baumbusch: Hélène Fourment wird nicht nur häufig porträtiert, sondern zum Schönheitsvorbild aller künftigen Rubens-Frauenbilder. Und er malt Venusfeste, Liebesgärten, entdeckt die Landschaftsmalerei für sich. Doch die Gicht plagt ihn und Lähmungserscheinungen: Am 30. Mai 1640 stirbt Peter Paul Rubens in Antwerpen.