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Peter Kiefer ist froh, dass die Internetseite seines Auktionshauses auch alle archivierten Stücke anzeigt. Foto: Ketterl
Peter Kiefer ist froh, dass die Internetseite seines Auktionshauses auch alle archivierten Stücke anzeigt. Foto: Ketterl
Helmut Janz versteigert Kunst. Mit dem Internet erfährt die ganze Welt davon. Foto: Ketterl
Helmut Janz versteigert Kunst. Mit dem Internet erfährt die ganze Welt davon. Foto: Ketterl
31.03.2017

Pforzheimer Auktionshäuser im digitalen Wandel

Pforzheim. Auktionen funktionieren nach einem einfachen Schema: Wer am meisten Geld bietet, bekommt das Objekt seiner Begierde. Das ist auch bei Peter Kiefer nicht anders. Einmal aber wollte der Pforzheimer Auk-tionator von einem Angebot nichts wissen. „Da war mir dann auch die Summe egal.“

Auf dem Spiel standen damals keine kostbaren Bücher. Die versteigert er nämlich sonst. Auch keine Möbel, Gemälde oder Holzschnitte. Nein. Es ging um Kiefers Internetseite. Die hatte er sich schon zugelegt, als das Internet noch eine aufregende Neuerung war; entsprechend simpel ist ihre Adresse noch heute. „Einfach www.kiefer.de – kein Bindestrich oder dergleichen.“ Und die wollte er natürlich nicht hergeben – wie das ganze Internet, das den Alltag der Auktionshäuser so umgewandelt hat.

Auch den von Helmut Janz, der unter dem Titel „Pforzheimer Auktionshaus“ rund sechs Auktionen pro Jahr veranstaltet – lange Zeit im malerischen Würmtal, seit kurzem auf der Wilferdinger Höhe. „Als das Internet aufkam, habe ich die Chance für Auktionshäuser sofort erkannt.“ Denn die haben ja normalerweise ein Problem: Sie verkaufen das Seltene und Sonderbare; das, was eben nicht mehr am Fließband produziert wird – sondern den Kenner anspricht. Nur der muss die Stücke erstmal finden. „Ich habe jetzt die Möglichkeit, meine Ware international anzubieten“, sagt Janz.

Die eigentliche Auktion leidet

Seine Internetseite sieht gleich aus, ob in Tiefenbronn oder Timbuktu. Nur ein Problem gebe es da mit der Digitalisierung: Seitdem sich die Interessenten aus aller Welt eben online informieren und bieten, ist es leerer geworden bei der eigentlichen Auktion. „Mittlerweile werden noch rund zehn Prozent der Verkäufe im Saal abgeschlossen.“

Ob sich die aufwendige Vorbesichtigung noch lohne, wenn die meisten sowieso per Mail nach den Stücken fragen, die sie interessieren? Janz weiß es nicht. Am Papier-Katalog will er aber festhalten. Obwohl der seit Jahren weniger nachgefragt wird. „Aber manche, vor allem ältere Interessenten wollen einfach einen haben.“

Das hat auch Peter Kiefer festgestellt. Bei ihm hat der gedruckte Katalog aber trotzdem noch eine größere Bedeutung als beim „Pforzheimer Auktionshaus“. Kiefers Katalog wiegt bei der kommenden Jubiläumsauktion rund ein Kilo – und wird 7000- mal gedruckt. Seine Kunden schätzen das Papier also noch – etwas anderes wäre ja auch kaum vorstellbar, wo doch Kiefers Kernsegment die alten Bücher sind. Aber selbst hier hat der digitale Wandel voll zugeschlagen. Die Stücke – und das sind pro Auktion meist mehr als 5000 – sind einzeln auf Kiefers Internetseite abrufbar – auch die vergangener Auktionen. „In unserem Archiv kann man alle Stücke finden, die wir seit der Digitalisierung versteigert haben.“ Auch daraus ergäben sich neue Kontakte. „Die Interessenten sehen, dass wir einmal ein Kunstwerk von einem bestimmten Künstler versteigert haben und fragen an, ob wir noch weitere Werke haben – oder bieten ihre Stücke an.“

Interesse aus der ganzen Welt

Auch bei Kiefer wird ein Großteil der Angebote schon vor der Auktion abgegeben. Briefe und E-Mails trudeln ein in das geräumige Auktionshaus an der Steubenstraße. Hier zeigt sich, was das Internet bedeutet: Vernetzung solcher Dinge, die sonst unverbunden geblieben wären. Wie sonst würde ein Römer des Jahres 2017 aufmerksam werden auf ein geografisches Werk über Rom aus dem 17. Jahrhundert – wenn es im entfernten Pforzheim versteigert wird?

Nur bei einer Sache wollen Janz und Kiefer noch nicht mitmachen: Live-Auktion. Wer unmittelbar dabei sein will, muss schon in den Auktionssaal kommen oder sich rechtzeitig anrufen lassen, um telefonisch mitzubieten. Warum wollen die beiden nicht auch live ins Internet gehen – eine Praxis, die sich bei manchen Auktionshäusern schon etabliert hat.

Da gebe es viele Gründe. Janz klagt über schlechtes Internet, Kiefer war sogar schon einmal auf einer Auktion als Interessent mit dabei, als die Leitung zusammenbrach – und alles eine Stunde warten musste. Der wichtigste Grund aber: Es würde viel zu lange dauern. „Wenn Sotheby’s eine Auktion macht, sind das absolute Raritäten und dementsprechend ganz wenige Nummern“, sagt Kiefer „Wir haben bis zu 7000 Positionen.“ Kiefer überschlägt die Rechenoperation im Kopf: Wie lange würde es wohl dauern, wenn immer jemand mittippen würde, was im Saal mit den Geboten passiert? „Ja dann würden wir ja zwei Wochen hier sitzen.“ Manchmal ist eben ein Brief oder ein Telefonat nicht zu ersetzen – und am wenigsten die wirkliche Anwesenheit.