nach oben
Zwei von drei bereits denkmalgeschützten Bauten in Pforzheim, die Mitte der 1970er-Jahre fertiggestellt wurden: die Fritz-Erler-Schule... Foto: Ketterl/Archiv
Zwei von drei bereits denkmalgeschützten Bauten in Pforzheim, die Mitte der 1970er-Jahre fertiggestellt wurden: die Fritz-Erler-Schule... Foto: Ketterl/Archiv
... und das katholische Gemeindezentrum St. Bernhard. Foto: Ketterl/Archiv
... und das katholische Gemeindezentrum St. Bernhard. Foto: Ketterl/Archiv
28.02.2018

Pforzheimer Denkmalpfleger nimmt Brutalismus und Postmoderne in den Blick

Pforzheim. Für einen radikal modernen Wiederaufbau hatte sich die Stadt Pforzheim nach der Kriegszerstörung entschieden. Ob Bahnhof, Reuchlinhaus, oder Matthäuskirche – in der Nachkriegsmoderne der 1950er-Jahre sind spannende Bauten entstanden, von denen etwa 30 bereits denkmalgeschützt sind. Auch die 1960er-Jahre sind mit Stadtkirche und Goldschmiedeschule bereits gewürdigt.

Nun will die Denkmalpflege die Architektur danach in den Fokus rücken: den Brutalismus und die bis in die 1980er-Jahre reichende Postmoderne – Epochen, die wie berichtet gemeinhin als hässlich gelten. Für einen Austausch hierzu hat sich der Pforzheimer Denkmalpfleger Christoph Timm gestern mit seinem Heilbronner Kollegen Joachim Hennze getroffen. Damit greifen sie eine Initiative der Landesdenkmalpflege auf. In Fachkreisen ist der denkmalpflegerische Umgang mit derlei Bauten zwar umstritten. Doch stoßen Ausstellungen auf internationaler Ebene eine Wiederentdeckung und Diskussion an. Auch in der jüngeren Generation steigt die Faszination – nicht nur in sozialen Netzwerken. Timm berichtet von vielen Anfragen von Studentengruppen, die sich vor Ort ein Bild von der Architektur machen.

Für Timm und Hennze gibt es dreierlei Herausforderungen: sich stets verschärfende Vorgaben für Brandschutz, Wärmedämmung und Sicherheitstechnik. Was bei Neubauten dazu führe, dass „die Architektur überall nahezu gleich aussieht“, so Timm. Bei bereits geschützten Gebäuden gehe es darum, angemessene Lösungen zu finden. „Wie können wir den Anforderungen gerecht werden, ohne die Botschaft und Ästhetik zu sehr zu beeinträchtigen? Die von klaren Details lebende Architektur muss dabei bedacht werden“, sagt Timm. Manche Sanierungen seien häufig der Grund, weshalb Gebäude ihre Denkmalwürdigkeit verlieren. So hätten Siedlungen wie der Haidach oder der Sonnenhof durch Wärmedämmung ihren städtebaulichen Reiz bereits verloren. Ein prominentes Beispiel sei die alte, durch einen Neubau ersetzte BW-Bank von Otto Bartning an der Bahnhofstraße, deren Ausstattung und Innenhof mit dem ursprünglichen Zustand zuletzt nur noch wenig zu tun hatte – und daher nicht von der Landesbehörde als denkmalgeschützt anerkannt wurde. Denn dafür gibt es gesetzlich festgelegte künstlerische, wissenschaftliche und heimatgeschichtliche Kriterien. Das Neue Rathaus etwa erfüllt alle.

Neben einigen Privathäusern hält Timm das Tronser-Gebäude sowie den postmodernen Bau des Architekten Rob Krier am Sedanplatz für heiße Denkmal-Kandidaten. Aber man stehe noch am Anfang. „Wir wollen qualitätsvolle Bauten ins Gespräch bringen und die Öffentlichkeit sensibilisieren. Es gibt viel Erhaltenswertes.“