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Im Gemäuer des Klosters Maulbronn: Gabriel Holz (Gitarre), Torsten Kiefer (Keyboards), Dirk Blümlein (Bass), Sänger Peter Freudenthaler, Jan Hees (Schlagzeug) und Volker Hinkel (Gitarre, von links).  Foto: Privat 

Pforzheimer Kultband Fools Garden bringt ihr zehntes Studio-Album raus

Pforzheim. Manchmal, wenn Peter Freudenthaler über diese unglaubliche Band-Geschichte nachdenkt, ja, manchmal kommt es ihm selbst vor wie ein Film. Einen, in dem er von heute auf morgen die Hauptrolle spielte. In dem er mit seiner Band vom Proberaum auf die ganz große Bühne geschmissen wurde.

Plötzlich belagerten Fans sein Wohnhaus holte ihn ein Pilot auf einem Flug zu MTV nach London ins Cockpit, um ihn vor Schülerhorden zu retten. Und er lernte seine Idole persönlich kennen, die Scorpions und Udo Lindenberg. Es war jene Zeit Mitte bis Ende der 1990er-Jahre, in der die Musikbranche ihre wohl letzte Hochphase erlebte.

Nun präsentieren Fools Garden ihr zehntes Studio-Werk. Das vergangene Album mit selbst komponierten Songs („Who Is Jo King?) veröffentlichten die Pforzheimer Pop-Aushängeschilder vor sechs Jahren. „Wir hatten keinen Druck“, sagt Freudenthaler unserer Zeitung. Daher seien die neuen 14 Titel über einen recht langen Zeitraum entstanden.

Beim Komponieren bringen Freudenthaler und Gitarrist Volker Hinkel, die bis heute von der Musik leben können, jeweils ihre musikalischen Ideen ein. Während Hinkel sich mit großem Know-how dann ums Produzieren kümmert, konzentriert sich Freudenthaler auf die Texte. Ihre Freundschaft besteht seit dem Studium. Die Musiker hätten sie aber nie vom Erfolg abhängig gemacht.

Für die Produktion habe die Band eine besondere Disziplin walten lassen und vor allem der Gitarrist und Background-Sänger Gabriel Holz viel mitgearbeitet. „Ein Song durfte erst zur Seite gelegt werden, wenn er in seiner Struktur vollendet war, so dass er im bandeigenen Studio in Neuhausen aufgenommen werden konnte.“

Es hat sich gelohnt. Dennoch kann man vor dem Album nur warnen, denn es besteht akute Ohrwurm-Gefahr. Nummern wie die Ballade „I Burn“, auf der Freudenthaler einen Falsett-Refrain in bester Coldplay-Manier singt, oder „High Again“, das an die US-Alternative-Rocker Nada Surf erinnert, bleiben lange nach dem Hören noch haften. „Rise And Fall“ klingt gereift und vielseitig, mit klassisch-zeitlosen Qualitäten.

Fools Garden gelingt das Kunststück, wunderschönen Pop so entspannt daherkommen zu lassen, als wäre es die leichteste Sache der Welt. Die Band mache seit jeher Songs, die aufs Wesentliche reduziert werden können, erklärt der 55-Jährige. „Wir sind absolute Melodie-Fetischisten.“ Und er könne sich über das neue Produkt nach wie vor freuen. „Jeder Song ist wie ein Tagebucheintrag. Ich kann mit jedem etwas verbinden.“

Nicht nur in Nummern wie der nachdenklichen, sparsam arrangierten Akustik-Ballade „Marie Marie“ – auf dem ganzen Album schwingt Melancholie mit. Auch wenn dieser Grundton bei Fools Garden seit der Gründung im Jahr 1991 schon immer hörbar war. „Das erklärt, warum uns die Russen so mögen. Die aalen sich gerne im Schmerz“, so Freudenthaler.

Mitsing-Titel wie „Shame“ und „Save The World Tomorrow“ sorgen für eine große Bandbreite. Letztere, die erste offizielle Single – das Video wurde in Freudenthalers Haus nahe Mühlacker gedreht –, ist ein augenzwinkernder Gutelaune-Song mit knackigen Bläser-Arrangements. Und das Album überrascht mit der veritablen Elektro-Nummer „Still Running“. Im Uptempo-Rocker „Boys“ erlaubt sich die Band einen textlichen Seitenhieb über den Einheitsbrei im Rundfunk, der „im Testmodus gefangen“ sei und wenig Neues wage. Dabei profitiert Fools Garden auch heute noch ein Stück weit vom Formatradio, wie der Frontmann einräumt. Und letztlich ist es auch dafür verantwortlich, dass „Lemon Tree“ Ende 1995 derart durch die Decke ging. Auch wenn die Titelnummer „Rise And Fall“ zu wilden Interpretationen geradezu einlädt, etwa zur Band-Karriere, sei sie „einfach eine Beschreibung unserer Welt“, so Freudenthaler. „Uns fehlt heute das Bewusstsein für Vieles“, sagt er. Selbst Musik verliere in Zeiten von Spotify und YouTube an Wertigkeit. „Wenn ständig alles da ist, können wir die Dinge nicht mehr richtig schätzen.“ Die Nummer sei ein Appell, sich auf das zu besinnen, „was wir hier haben, die Dinge wieder bewusster zu genießen und wahrzunehmen.“