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Nektarios Vlachopoulos spricht Klartext im Kulturhaus Osterfeld.  Foto: Frommer 

Politisch, bissig, klare Kante: Slampoet Nektarios Vlachopoulos sinniert im Kulturhaus Osterfeld über Deutschland

Pforzheim. Er bürstet unsere Sprache gerne und genüsslich gegen den Strich: Nektarios Vlachopoulos (34), eloquenter Humorist und in zig Verbal-Duellen kreativ gestählter Poetry-Slammer, hat in Heidelberg Germanistik auf Lehramt studiert und kokettiert ab und an publikumswirksam mit seinem „griechischen Integrationshintergrund“.

„Wertkonservative Menschen“ verstehe er ja noch, lässt Vlachopoulos seine Zuhörer im Kulturhaus Osterfeld wissen und legt nach, „aber wonach strebt der politische Konservatismus?“. Er habe keine Ahnung, „was für ein Problem Konservative mit dem Islam haben“. „Das Stehenbleiben“ und die Unterdrückung der Frauen sieht er bei beiden genannten Fraktionen „als Programm“. Im Saal gibt’s kräftigen Beifall. Nicht nur von den jungen Frauen in der ersten Reihe.

Gegen Deutschtümelei

Nach diesem Statement kommt Vlachopoulos so richtig in Fahrt: Den unverwüstlichen Satz „Ich hab’ ja nichts gegen Ausländer, aber…“ dreht er um und unterstreicht: „Ich hab’ nichts gegen Deutsche, solange es nicht zu viele auf einem Haufen sind. Aber es gibt ja mittlerweile Stadtteile, da sieht man fast nur noch Deutsche auf den Straßen“. Die meisten seien ja „anständige Leute: Die bauen prima Autos, räumen den Schnee vor ihrer Wohnung weg – und können wirklich toll auf Eins und Drei klatschen“. Das sitzt. Und wird im Kulturhaus mit Szenenapplaus und kollektivem Lachen bedacht. Aber er hält den verbalen Spiegel der gängigen Vorbehalte gegen Ausländer weiter hoch: „Gut, mein Kind würd‘ ich jetzt nicht unbedingt auf eine Schule schicken, auf die nur Deutsche gehen. Da hängen die Kids schnell mal mit den falschen Freunden ab und ruck-zuck nehmen sie sich schlechte Vorbilder wie Uli Hoeneß, Jan Ullrich oder Martin Winterkorn“. Mitten in den Beifall sagt er: „Das soll jetzt nicht heißen, dass alle Deutschen kriminell und asozial sind. Manche sind auch super Fußballer. Viele haben sogar in der Nationalmannschaft ganz hervorragende Arbeit geleistet. Aber Hand aufs Herz: Ich brauch‘ Lothar Matthäus jetzt nicht als Nachbarn“. Er habe sogar ein paar Sachsen im Freundeskreis, ätzt der Kabarettist weiter, in aller Regel seien das „höchst anständige Leute. Viele gingen sogar arbeiten.“

Nach einem vergleichsweise kurzen Dirndl- und Bayern-Bashing nimmt Vlachopoulos Berlin aufs kabarettistische Korn: Die Hauptstadt sei inzwischen „dermaßen überfremdet“, da rufe der „Muezzin schon zur Kehrwoche“. Erst am Schluss dieses mächtigen Blocks löst er auf: „Dieses Land gehört uns. Uns allen: dem zugewanderten Zeitarbeiter, der alleinerziehenden Studentin, dem körperbehinderten Pfadfinder, der transsexuellen Kneipen-Schlägerin und ja, auch dem alten Weißen Mann aus Landshut und Chemnitz. Auch der darf bleiben und seine Meinung frei äußern. Es lohnt sich, in unserem Land zu leben – und da muss man für gewisse Werte eintreten. Und wer sie nicht vertritt, der kann dieses Land jederzeit verlassen“. Es folgen Beifall und eine Zugabe.