760_0900_129959_Neul_Bauschl_SWDKO_11_1.jpg
Sinn für filigrane Feinheiten: Unter der Leitung von Chefdirigent Douglas Bostock trat auch der Violinist Adrian Kratzert auf.  Foto: Tilo Keller 

Prachtvoll und außergewöhnlich: Südwestdeutsches Kammerorchester spielt „Große Klassik“

Neulingen-Bauschlott. Werke von Haydn, Beethoven und Mozart hatte das Südwestdeutsche Kammerorchester für sein ausverkauftes Konzert „Große Klassik“ in Bauschlott zusammengestellt. Die Entscheidung, das als Open Air geplante und von der PZ präsentierte Konzert vom atmosphärischen Schlosshof in die stickige, aber trockene Gräfin-Rhena-Halle zu verlegen, erwies sich als völlig richtig, denn vor Schluss setzte ein heftiger Regenguss ein. In der Halle fanden auch am Sonntag die beiden ausverkauften Konzerte „Ein Sommernachtstraum“ statt.

Die Freude am Komponieren und Musizieren seiner Sinfonie Nr. 88 G-Dur ist deutlich zu hören: 1787 schrieb Joseph Haydn das Werk für das Hoforchester seines Dienstherrn Fürst Esterhazy. Er spielt mit starken Kontrasten in Dynamik, Klangfarben und Ausdruck und beschränkt sich dabei weitgehend auf vielfältige und unterschiedliche Variationen eines Themas, das durch alle vier Sätze läuft. Überraschend der Auftakt im 1. Satz, eine Folge abgesetzter Staccato-Akkorde, die als Klopfmotiv immer wieder auftauchen.

In den getrageneren 2. Satz bricht wiederholt ein dramatischer Einsatz von Pauken und Trompeten, ein starker Kontrast zur innigen Grundstimmung. Das Menuett des 3. Satzes lädt zu einem von der Pauke sachte akzentuierten, bäuerlich-stampfenden Tanz. Im Trio sorgt ein ungewöhnlicher „Bordun-Bass“ (tiefe ausgehaltene Quinten) für Aufmerksamkeit, der an Sackpfeifenmusik erinnert, die es zu Haydns Zeiten unter anderem in Ungarn noch gab. Eine einprägsame Melodie mit Klopfmotiven, die sich in schnellen Läufen der Violinen wiederholt und verschränkt und stark an den Anfang erinnert, kennzeichnet den heiteren 4. Satz.

760_0900_129960_Neul_Bauschl_SWDKO_2_1.jpg
Aus dieser Perspektive ganz nah an ihrem Publikum: die Musikerinnen und Musiker des Kammerorchesters. Foto: Tilo Keller

Einen innigen und fast romantisch-zärtlichen Beethoven ohne schwermütige Eintrübungen erlebte man mit der Romanze Nr. 2 F-Dur op. 50 (1798) für Violine und Orchester. Der junge Geiger Adrian Kratzert, Student an der Musikhochschule in Karlsruhe und Stipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes, hatte den Solopart für den erkrankten Friedemann Breuninger übernommen. Das lyrische, liedhafte Thema wird von Violine und Orchester gemeinsam vorgestellt und von beiden quasi im Zwiegespräch variiert. Der Solist widmete sich seinem Part mit technischem Können und großem Feingefühl und wurde mit viel Applaus bedacht – auch von Orchester und Dirigent.

Betörend schön

Mozarts Sinfonie Nr. 41 C-Dur KV 551 entstand 1788 und ist eine seiner drei letzten Sinfonien. Den Beinamen „Jupiter“, der auf ihre göttliche Vollkommenheit hinweisen soll, erhielt sie erst später. In dem bekannten und beliebten Werk hat Mozart mit dem Selbstbewusstsein des virtuosen Komponisten spielerisch und betörend schön alles verarbeitet, was ihm an Komponierkunst zur Verfügung stand. Berühmt ist der letzte Satz mit seiner kunstvollen Schlussfuge. Die Musik ist prachtvoll, großartig, triumphierend und lässt keinen Zuhörer unberührt.

Begeisterter Beifall mit stehenden Ovationen für das inspiriert, differenziert und transparent aufspielende Orchester, aufmerksam und mit dem Sinn für filigrane Feinheiten geleitet von Douglas Bostock. Als Zugabe erklang der letzte Teil der Ouvertüre von Mozarts Oper Lucio Silla.