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Beifall und Blumen für Solisten und Dirigent Gianluigi Gelmetti (rechts).  Foto: Heideker 

Rossinis Oper „Zelmira“ in konzertanter Aufführung beim Belcanto-Festival

Bad Wildbad. Eine reichlich verworrene Geschichte, die Gioachino Rossini in seiner Oper „Zelmira“ in grandiose Musik setzt. Es geht um das heroische Schicksal der Königstochter Zelmira, die ihrem Vater Polidoro in kriegerischer Bedrohung den Thron retten will und dazu eine List ersinnt, die sie schließlich sogar bei ihrem Gatten Ilo in Mordverdacht und überdies in größte Lebensgefahr bringt, bis am Ende der feindliche Usurpator Antenore entlarvt wird.

Beim Belcanto-Festival „Rossini in Wildbad“ ist das Werk, das 1822 in Neapel uraufgeführt wurde, nun in einer konzertanten Aufführung und unter der musikalischen Leitung von Altmeister Gianluigi Gelmetti zu erleben.

So hanebüchen das Libretto der Oper sein mag, so gab es dem Komponisten doch reichliche Gelegenheit zur Entfaltung seiner Kunst, wechselnde Stimmungen und Situationen effektvoll zu schildern und den Belcanto-Stars seiner Zeit wundervolle Arien und Ensembles in ihre Goldkehlen zu legen – allen voran der Interpretin der virtuosen Titelpartie, der gefeierten Primadonna Isabella Colbran, die er noch während der Probenzeit heiratete.

Entschädigt wird das strapazierte Publikum des rund dreistündigen Werks durch musikalische Schmuckstücke, wie etwa die sehnsüchtige Kavatine des heimkehrenden Ilo, das , nur von Harfe und Englisch Horn begleitete Duett von Zelmira mit Emma, das vielschichtige Quintett des zweiten Aktes und das große Finale mit dem großartig verschränkten Ensemble. Das Hauptohrenmerk liegt auf den Sängern – zumal bei einer Aufführung , die (wie jetzt in Wildbad) auf szenisches Beiwerk verzichtet. Dem versierten Maestro Gelmetti am Pult der spannungsreich aufspielenden Virtuosi Brunenses gelingt es, diese Perlen in prächtige musikalische Rahmungen zu fassen und die Farben der Partitur von kammermusikalischer Delikatesse über lyrische Aufschwünge und leidenschaftliche Aufwallungen bis zu dramatischer Wucht zu einem Gesamtbild zu verbinden. Dabei ist ihm der engagierte Górecki Chamber Choir eine wirksame Hilfe.

Großartige Titelpartie

Im Mittelpunkt des Abends steht Silvia Dalla Benetta als Zelmira. Die Sopranistin, die in Wildbad auch als Sinaïde in „Moïse“ auf der Bühne steht, kommt mit den hohen Anforderungen der Colbran-Partie überzeugend zurecht, zeichnet glaubwürdig den Leidensweg der verfolgten Unschuld nach und setzt mit ihrer fulminanten Schlussszene einen nachhaltigen Akzent. Neben ihr bietet Marina Comparato als Emma mit hell timbriertem Mezzo vor allem in ihrer schönen, flehentlichen Arie „Ciel Pietoso“ eine bemerkenswerte Leistung.

Als heldisch markanter Ilo wartet der Tenor Mert Süngü mit schmetternden Spitzentönen und forcierter Allüre auf, auch wenn seine imponierende Stimme in der exponierten Höhe ein wenig zu blecherner Offenheit neigt. Sein ränkereicher Gegenspieler Antenore gerät Joshua Stewart bei ungeschlachtem Forte und enger, angestrengter Tonbildung zu einem eher flachen Porträt des Opernschurken. Luca Dall’Amico gibt dem finsteren Strippenzieher Leucippo unauffälliges Profil, während der kurzfristig eingesprungene Bass Federico Sacchi als unglücklicher König Polidor ganz und gar enttäuscht.

Das Premierenpublikum in der gut besuchten Wildbader Trinkhalle fand erkennbaren Gefallen an dieser Begegnung mit der selten gespielten „Zelmira“ und dankte dem Ensemble mit lebhaftem Beifall.