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Mit großer Eindringlichkeit dirigiert Antonino Fogliani Rossinis „Petite messe solennelle“ im Forum König-Karls-Bad.  Foto: Heideker 

Rossinis „Petite messe solennelle“ in Bad Wildbad eindrucksvoll aufgeführt

Bad Wildbad. Gioachino Rossini hat eine erstaunliche Zahl von Opern heiteren und ernsten Charakters geschaffen – bis er plötzlich als Opernkomponist verstummte und sich den kulinarischen Leibesfreuden widmete. Die Gründe für diesen Sinneswandel sind nach wie vor ungeklärt. Vier Jahre vor seinem Tod meldete er sich 1864 noch einmal musikalisch zu Wort, freilich mit einem geistlichen Werk. Wollte sich der Gourmand mit der „Petite messe solennelle“ für Vokalsoli, Chor, zwei Klaviere und Harmonium, seiner letzten Komposition, mit „le bon dieu“, wie er Gott liebevoll nannte, aussöhnen?

Wie dem auch sei: Die „Kleine feierliche Messe“ ist mit ihrer ergreifenden Tonsprache, wie sie nur aus Herz und Seele kommen kann, ein Juwel unter den liturgischen Musikwerken – jedenfalls in der Form, wie sie das Festival „Rossini in Wildbad“ präsentierte. Unter Antonino Foglianis mal nonchalanter, mal mitreißende Impulse gebender Leitung gelang den Interpreten eine Wiedergabe voller Innigkeit und Leidenschaft.

Die unbändige Kraft des Singens schien alles zu überwältigen, auch das faszinierte Publikum im Forum König-Karls-Bad, dessen Akustik zuweilen an seine Grenzen gebracht wurde. Der renommierte Górecki Chamber Choir zeichnete sich durch hohe Flexibilität und fein ausbalancierte Klangdichte aus, was nicht nur im chorischen Auf- und Abschwellen und in präzise gesetzten Akzenten Ausdruck fand. So entwickelten sich beispielsweise die getragenen Abschnitte im einleitenden „Kyrie“, das voluminös jubelnde Amen im „Cum Sancto Spiritu“ und das hauchzart wiederholte Pianissimo im „Agnus Dei“ zu fantastischen Chor-Ereignissen. Ein weiteres Markenzeichen der Aufführung war das dynamisch bruchlose Gleiten zwischen Chorensemble und den Vokalsolisten. Mert Süngü beeindruckte im „Domine Deus“ mit den strahlenden Höhen seines Tenors. Mit kultivierter Klangschönheit, aber auch Konturschärfe erfreute Bass Baurzhan Anderzhanov. Silvia Dalla Benetta verlieh dem „O salutaris“ mit sinnlich weicher Sopranstimme Leuchtkraft und Glanz. Geradezu erschütternd entfaltete sich der Dialog im letzten Abschnitt der Messe zwischen Chor und Altistin Marina Comparato, deren Legato-Flehen („donna nobis pacem“) wirkungsmächtig mit samtigem Timbre vorgetragen wurde. Takt- und weihevoll agierten an den Flügeln Michele D’Elia und Gianluca Ascheri sowie am Harmonium Angelica Giannetto Fogliani.

Gewissermaßen im Vorprogramm des bejubelten Konzerts sang Antonella Colaianni, von Michele D’Elia am Klavier begleitet, Rossinis dramatische Kantate „Giovanna d’Arco“, deren Entstehung und Aufführungsgeschichte heute noch Rätsel aufgibt.