Lesestoff und Blickfang: die von Andreas Sarow „analog reposteten“ Instagram-Beiträge. Foto: Giesecke

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Kultur
Sarows „factory“ sorgt für eine Bilderflut auf Instagram
  • Sandra Pfäfflin

Pforzheim. „Panini-Bilder waren gestern, heute wird analog reposted“, sagt Andreas Sarow. Was das bedeutet? Der Künstler, der mit seiner Großinstallation „factory“ entlang der Bundesstraßen 10 und 294 für bundesweites Aufsehen sorgt, hat jede Menge Post bekommen – elektronische. Auf der Plattform Instagram häufen sich seit der Vernissage am 18. Mai Fotos und begeisterte Kommentare zu der „Skulptur, 110 x 20 x 12 Meter, beleuchtet, Stein, Ziegel, Holz, Bahnschienen“.

Denn diese Arbeit mit den beiden Wachtürmen und den magentafarbenen Monopolyhäuschen, die eine gigantische Schneidemaschine aus einem Block zu stanzen scheint, regt die Fantasie an und fördert enormes kreatives Potenzial zutage. Das tobt sich nun auf Instagram aus.

357 Beiträge gibt es schon unter

#andreassarow, 3581 Abonnenten verfolgen das Spiel mit Kunst und Kultur, das der 43-Jährige seit der Schwarzen Villa treibt. Deshalb hat sich der Pforzheimer nun entschlossen, die witzigsten, wichtigsten und berührendsten Post auszudrucken und sie – wie Paninibildchen ins Sammelalbum – auf eines der rosa Häuschen am Eingang zu kleben: „Analog repostet“ eben.

Da gibt es dann Spannendes zu entdecken. Vor allem Fotografen haben die Motive als Herausforderung für besondere Aufnahmen entdeckt, auch für professionell anmutende Fotoshootings mit perfekt gestylten Models in Glamour-Look und großer Pose. Da sind aber auch fantastische Bilder von Menschen in Bewegung, von Schatten, die sie in der nächtlich beleuchteten Installation werfen. Da gibt stimmungsvolle Landschaftsaufnahmen im Gegenlicht, nach einem heftigen Regenguss oder während der Vorbeifahrt einer historischen Lokomotive. Aber auch des Menschen bester Freund darf sich an Kunst erfreuen, wie einige Fotografien nahelegen. Und: Vier Kinder scheinen eines der Häuschen mit reiner Muskelkraft hochzuheben, eine optische Täuschung, wie die sattsam bekannten Aufnahme vom Schiefen Turm von Pisa, der durch den beherzten Griff eines Porträtierten vom Umstürzen bewahrt wird. Ikonografische Bilder entstehen in der „factory“, die Sarow mit jenen Aufnahmen von Münzen werfenden Paaren am römischen Trevi-Brunnen oder den Bildern von Menschen in Eiffelturm-Größe vergleicht.

Überhaupt kommen viele der Besucher extra nach Pforzheim angereist, posten in russischer Sprache, hinterlassen witzige Kommentare. Oder schreiben ganze Geschichten. Wie die Mutter, die von ihrer kleinen Tochter gefragt wird, was das hier bedeute und wer die Menschen auf den aufgeklebten Bildern seien. „Dazu fiel mir gleich ein Zitat ein: Manchmal sollte man weder mit noch gegen den Strom schwimmen, sondern einfach mal aus dem Fluss klettern und eine Pause machen“, schreibt „nathalie“ auf Instagram. Es bleibt spannend, wie viele Menschen bis Ende des Jahres ihre kreative Pause hier an der Unteren Wilferdinger Straße 3 verbringen werden.