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Sieht sich als musikalisches Chamäleon: Saxofonist Noah Fischer.  Foto: Sommer 

Sax-Appeal unterm Sternenhimmel: Noah Fischer spielt im Kulturhaus Osterfeld

Pforzheim. Dynamisch geht er in die Knie, schlendert rund um die Bühne, oder entlang der Publikumsreihen. Am Mittwoch gastierte der aus Sigmaringen stammende Saxofonist Noah Fischer erstmals im Kulturhaus Osterfeld – und zieht im Rahmen seiner „Wonderful World“-Solo-Tour direkt mehr als 200 Gäste in den Großen Saal. Bekanntgeworden ist er im Panikorchester an der Seite von Udo Lindenberg. Auch beim legendären schweizerischen Elektropop-Duo Yello hat der Musiker, Komponist und Arrangeur einen festen Platz.

Coole Sonnenbrille, schwarze Lederjacke, die Frisur ein Mix aus Irokesenschnitt und Vokuhila: Fischers punkiger Look markiert einen starken Bruch zur dargebotenen Musik, die man am ehesten mit Smooth Jazz beschreiben kann. Diese instrumentale Spielart klingt dank ihrer bisweilen aseptisch reinen, elektronischen Pop-Elemente so sehr nach 80er-Jahre, dass Bebop- und Modern-Jazz-Anhänger gerne geschmäcklerisch die Nase rümpfen und den Sound als allzu seichte Kaufhaus- oder Fahrstuhlmusik abtun. Zu Unrecht, wie Noah Fischers Auftritt beweist. Sein begnadetes Spiel hat durchaus Sax-Appeal.

Virtuos entlockt er seinen Instrumenten die variantenreichsten Töne – wehklagend, kreischend, zärtlich flirtend. Einige Titel spielt er mit Gästen: Die Sängerin Inga Philipp glänzt mit voller, klarer Stimme. Das Streichquartett Mondëna breitet einen schönen Klangteppich übers Halb-Playback aus und begleitet gefühlvoll das „Adagio For Strings“. Respektvoll verneigt Fischer sich vor Genre-Größen: Er interpretiert David Sanborns groovigen „Chicago Sound“. Candy Dulfers funkiges „Lily Was Here“ nutzt er zu wirbelnden, stark bejubelten Soli. Und das gefühlvoll-sentimentale Sopran-Saxofon von Kenny G diente dem 47-Jährigen einst als Inspirationsquell, sagt er.

Sternenhimmel, Sonnenuntergänge, durchs Meer pflügende Jachten – die Videoinszenierung im Hintergrund droht, etwas zu tief in den Ozean des Kitschs einzutauchen.Doch mit seiner überaus sympathischen, einnehmenden Art macht der Wahl-Berliner das locker wieder wett. Er hält Plädoyers für Vielfalt und Toleranz, erzählt in der fast dreistündigen Show, was ihm die Songs bedeuten, welches Kopfkino sie bei ihm auslösen. Mit „Going Home“ verbindet er die Sehnsucht nach Heimat. „Wonderful World“ stehe für die Schönheit der Natur, aber auch die Traurigkeit über die Realität. Fischer macht Musik zum Entspannen und Genießen. Ein stimmungsvoll-emotionaler Abend für Romantiker und Menschen mit Herz.

Michael Müller

Michael Müller

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