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Mit vollem Einsatz: Inken Röhrs (Sopransaxophon), Bettina Matt (Alt), Sigrun Krüger (Tenor) sowie Kerstin Röhn am Baritonsaxophon (von links).  Foto: Kindlein 

Saxophonquartett Sistergold begeistert im Bad Wildbader Kurtheater

Bad Wildbad. „In einem so schönen Kurtheater waren wir noch nie“, schwärmt Inken Röhrs gleich beim Betreten der Bühne. Das wirkt weder gespielt, noch aufgesetzt von der Frau am Sopran im Saxophonquartett Sistergold. In der Tat, es fällt schwer sich einen angenehmeren Rahmen wie das 1865 erbaute Kurtheater in Bad Wildbad für ein solches Konzert vorzustellen. Gerade mal eine starke Hundertschaft an Besuchern findet Platz, das Konzert ist nahezu ausverkauft.

Und was während gut zwei Stunden geboten wird an spielend leichter Raffinesse, Spielfreude und viel Charme, das ist nicht alltäglich auf großer – oder wie in Bad Wildbad – auf einer kleinen aber feinen Konzertbühne. Dabei ist das Bühnenprogramm „Saxesse“, beeindruckend vielfältig gestrickt. Da wird so gut wie alles aufgefahren, was mit dem Saxophon machbar ist. Funk, Pop und natürlich Jazz – selbst ein Stück aus dem Barock wird zum Besten gegeben: Klänge von Händel, also aus einer Zeit, in der es noch fast hundert Jahre dauern wird, bis das Holzblasinstrument erst erfunden ist. Aus Streichern werden Bläser, in einer Präzision, die in bestem Sinne aufhorchen lässt. Weiter geht’s nach einer locker-geschmeidigen Moderation von Bariton-Saxophonistin Kerstin Röhn zu einer selbst komponierten Funknummer: „Blondes Gift“. Das Kurtheater beginnt dank rhythmisch aufgeheiztem Klang samt Schnalzen und Stampfen fast zu schwingen. Ein Duell von Röhn mit Tenor-Frau Sigrun Krüger setzt dem Stück die Krone auf.

Und ab geht’s in den Süden der USA: Gershwins Summertime kommt, passend zur Jahreszeit, träge und schwül daher. Ein sonores, entspanntes Miteinander und feinstens gestalteter Zusammenklang. Selbst einen Charleston haben die studierten Musikerinnen zu bieten – inklusive Tanz- und Steppeinlage von Inken Röhrs.

Und natürlich dürfen Jazz-Klassiker nicht fehlen: So Dizzy Gillespies „A night in Tunesia“ mit einer ebenso wummernden wie präzisen Basslinie. Oder Abdullah Ibrahims „African market place“, samt wunderbarer Sopraneinlage: grell, lebensfroh, fast gar freejazz-artig.

Nach dem Irving Berlin-Klassiker Puttin‘ on the Ritz geht’s mit einem Walking Act in die laue Sommernacht der Kurparks, wo das ebenso virtuose wie spielfreudige Quartett mit stürmischem Applaus verabschiedet wird.

Walter Kindlein

Walter Kindlein

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