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Michaela Thäsler und Norbert Muerrle zeigen noch bis Ende September eine höchst bemerkenswerte Ausstellung in ihrem Kunstraum Belrem 8 in Dillweißenstein. Fotos: Meyer
Michaela Thäsler und Norbert Muerrle zeigen noch bis Ende September eine höchst bemerkenswerte Ausstellung in ihrem Kunstraum Belrem 8 in Dillweißenstein. Fotos: Meyer
29.06.2017

Schmuckausstellung widmet sich den glorreichen Sechzigern

Pforzheim. Der Mythos lebt: Als sich die 68er aufmachten, der Republik ihren revolutionären Stempel aufzudrücken, fand dieser Wille zur Veränderung auch in Pforzheim seinen Niederschlag. Unter anderem im Schmuck-Design, wo Ende der 1960er-Jahre eine ungewöhnliche Konstellation an der Kunst- und Werkschule zusammenfand: „Ein fast magisches Dreigestirn von Lehrern traf auf acht hochbegabte Studenten“, erinnert sich Norbert Muerrle. Zum Schmuckjubiläum hat er gemeinsam mit Michaela Thäsler eine Ausstellung im Kunstraum Belrem 8 zusammengestellt, die sich mit einer Vielzahl von Exponaten diesen Jahren des Umbruchs widmet.

„Professor Reinhold Reiling gelang es, mit seinen Studenten das neue Schmuckdenken aus dem Untergrund ans Tageslicht zu holen“, sagt Muerrle. Gemeinsam mit den Lehrern Eckart Mosny und Joseph Weber förderte er Schmuckgestalter, die heute längst zu den international Arrivierten gehören: Georg Seibert, Jens Rüger Lorenzen, Claus Bury, Winfried Krüger, Eberhard Dechow, Barbara Kratz, Anna Font und Norbert Muerrle. Sie alle sind nun mit Werken in der Ausstellung vertreten.

Zwölf Arbeiten von Professor Reiling gesellen sich dazu und 44 Zeichnungen. Ausgewählt aus einem Konvolut von fast 300 Skizzen, die die Reiling-Töchter Marie und Regina zur Verfügung stellten. Spannend ist dabei zu erleben, wie einflussreich der Professor war – und wie eigenständig die jungen Schmuckkünstler ihre Werke entwickelten. Dass die von hoher Qualität waren, erkannte auch die Industrie: So ließ der Fabrikant Paul Heinrich Gerhard unter anderem nach Entwürfen von Winfried Krüger und in den 1970er-Jahren auch von Ulrich Haas, Hans Leicht, Rainer Milewski und Norbert Mack fertigen. Eine spannende Schau, die erleben lässt, welchen Weg die 68er zurückgelegt haben.