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Fritz Falk (rechts) im Gespräch mit dem Architekten und Förderer des Schmuckmuseums Werner Kaiser.  Ketterl
Fritz Falk (rechts) im Gespräch mit dem Architekten und Förderer des Schmuckmuseums Werner Kaiser. Ketterl
Sterne stehen auf diesem französischen Ring für die Freundschaft.  Schmuckmuseum
Sterne stehen auf diesem französischen Ring für die Freundschaft. Schmuckmuseum
Gerne wird Maria mit der Mondsichel gezeigt.
Gerne wird Maria mit der Mondsichel gezeigt.
Die Himmelsscheibe von Nebra ist als Kopie zu sehen.
Die Himmelsscheibe von Nebra ist als Kopie zu sehen.
07.10.2016

Schmuckfachmann Fritz Falk hält interessanten Vortrag im PZ-Forum

Es ist eine ziemlich wilde Fahrt, auf die Fritz Falk seine zahlreichen Zuhörer mitnimmt. Bei seinem Vortrag im PZ-Forum jagt der Schmuckfachmann in Augenblicken von der Gegenwart ins Alte Ägypten, streift Architektur, Reliefs und Gemälde – und kommt doch immer beim Schmuck an. Bei allem Wechsel bleibt eines stabil. Die Kunstwerke kreisen um ein Thema: Sonne, Mond und Sterne – die Gestirne also.

„Himmlisch“ ist Falks Vortrag überschrieben, genauso wie die korrespondierende Ausstellung im Schmuckmuseum. Dort hat Falk Jahrzehnte als Direktor gewirkt – und bereichert auch heute noch so manche Ausstellung durch seine Sachkenntnis und Kontakte zu den Schmuckinstitutionen der Welt. Die aktuelle Ausstellung hat der 77-Jährige gleich selbst kuratiert. Entsprechend kenntnisreich führt er durch sie hindurch – und bleibt dennoch nicht bei den gezeigten Exponaten stehen. Wie auch? Dafür treten die Gestirne ja viel zu prominent auf. Vor mehr als 3000 Jahren beim Pharao Echnaton zum Beispiel, der die erste monotheistische Religion der Welt erfand. Ihr oberster und einziger Gott? Aton – der als Sonnenscheibe verehrt wird. Gestirne spielen auch eine Rolle, als die Fülle der Zeit gekommen ist: bei Christi Geburt im Stall. Denn den Weg dorthin weist der Stern, dem selbst die drei Weisen blind folgen. Ein beliebtes Motiv der Kunstgeschichte.

Ähnlich prominent wird die Gottesmutter Maria von einer Mondsichel flankiert: auf Statuen, in Gemälden, selbst im Schmuck. Eine Tradition, die sich aus der Offenbarung des Johannes ableitet, in der Maria Sonne, Mond und Sterne als Attribute erhält. Doch genuin christlich sind die Gestirne in keinem Fall zu deuten.

Der halbe Mond steht für den Islam, Davids Stern fürs Judentum. Irgendeine Bildmacht muss also an den Himmelskörpern sein, dass sie so faszinieren – und selbst Gegensätze schmücken.

„193 Staaten sind in den UN zusammengeschlossen“, sagt Falk. „Über die Hälfte der Flaggen wird von den Gestirnen bestimmt.“ Bei aller Fülle, bei der ständigen Präsenz der Himmelskörper in allen künstlerischen Gattungen: Gibt es da ein verbindendes Moment, eine gemeinsame Aussage hinter der Sonne, dem Mond und den Sternen? Oder sind sie bloß schöner Schein – Dekoration? So auf wirklich eine Aussage lassen sie sich nicht bringen, zu ästhetisch zwingend und naheliegend ist ihre Gestalt, als dass sie für bloß eine Bedeutung stünde.

Vielleicht aber ist in allen Darstellungen der Himmelskörper doch eines das verbindende Element: Sie sind eben nicht von dieser Welt, sind unerreichbar, fern. Und das für jeden Menschen gleich, der – egal, wo er steht – morgens die Sonne sieht, und in der Nacht die Sterne und den Mond – und doch zu ihnen eigentlich nicht gelangen kann.

Kein Wunder, dass die Kunstgeschichte sich gerne dieses Mittels bedient. Kunst will doch das zeigen, was nicht alltäglich ist und greifbar. Verlockende Symbole, auf die auch der Kommerz nicht verzichten will. Er nennt Filmschauspieler Stars und baut ihnen auf dem Hollywood Boulevard steinerne Sterne als Denkmal.

Es sind eben beliebte Motive: Kaiserin Sisi steckt sich Sterne ins Haar, die Mäzenin Gertrude Vanderbilt eine ganze Sonne nebst Strahlen – und August der Starke versteckt sich hinter einer Maske aus Gold.

Auch und gerade im Schmuck funkeln Sterne, gehen Sonnen auf und nieder – und der Mond weist hell durch die Nacht. Alle Gestirne vereint sind auf der Himmelsscheibe von Nebra. Vor 4000 Jahren gefertigt, vor rund 3500 Jahren vergraben, ist die grün-goldene Scheibe eine der ältesten Himmelsdarstellungen der Menschheit – und leider nicht in Pforzheim zu sehen. „Die Himmelsscheibe reist nicht mehr“, sagt Falk. „Die steckt in einem atombombensicheren Kasten im Landesmuseum in Halle.“ Der Reiz der Scheibe aber ist auch in Pforzheim zu erfahren. Das Schmuckmuseum zeigt eine von nur zwei Masterkopien in seiner Schau, die dem Original in allem nachgebildet ist: Material, Patina – und selbst der Abnutzung. Denn schon vor Tausenden von Jahren stand fest: Sonne, Mond und Sterne sind recht beliebte Motive.