Großartiges Zusammenspiel: Tänzerin Selena Martello und die Wasserballer des 1.BSC im Emma-Jaeger-Bad. Haymann
Kultur
„Schwimm, wenn du kannst“ feiert Premiere im Emma-Jaeger-Bad
  • Anita Molnar

Schwerelos gleitet die Tänzerin ins Wasser. Aus einem engen Gruppentanz heraus wird sie hinabgetragen – sanft, fast geräuschlos. Ihr Oberkörper bewegt sich grazil über die Oberfläche, die Arme tanzen zu ruhiger Musik.

Bis sie sich dem Wasser hingibt und auf dem Rücken liegend zur anderen Seite schwebt. Mit diesem eindrucksvollen Bild gelangt die erste Tänzerin des Theater-Ballettensembles in das Schwimmbecken des Emma-Jaeger-Bads. Gehalten und getragen wird sie von den Wasserballern des 1. BSC Pforzheim 1896 – in exzellent aufeinander abgestimmter Weise. Viele solcher Bilder folgen, bleiben nachdrücklich in Erinnerung und machen die Premiere des Balletts „Schwimm, wenn du kannst“ von Guido Markowitz und Damian Gmür zu einem einzigartigen Erlebnis.

Schon der Schauplatz ist außergewöhnlich. Das Emma-Jaeger-Bad: Ort der Erinnerung, Entspannung und Ertüchtigung – und mit 38 Grad Raumtemperatur ganz schön warm. Manche der Premierengäste haben Flip-Flops mitgebracht, die meisten aber benutzen die blauen Plastiküberziehschuhe. Schon bei den Umkleiden werden sie von den Künstlern mit witzigen Szenehäppchen empfangen.

„Unsere Tänzer haben große Sehnsucht nach Nähe“, sagt einer. Genau darum geht es auch in dem Stück. Die Sehnsucht treibt Menschen an, zueinanderzufinden, über sich hinauszuwachsen und Ängste zu überwinden. Sie kann aber auch lebensbedrohlich sein.

All diesen Facetten spürt das Wasserballett nach. Bevor es aber zum Schwimmbecken geht, gibt es Tanzszenen auf dem abgedeckten und mit Scheinwerfen angestrahlten Nichtschwimmerbecken. Ringsum sitzen und stehen die Zuschauer, verfolgen die impulsiven Bewegungen zu Blubber- und Knistergeräuschen. Mitreißend vor allem die lebensbejahenden Choreografien zu irischer Folkmusik. Strudel- und ruderartige Bewegungen sind zu erkennen. Mal kreisen die Tänzer um eine am Boden Liegende, mal werden sie wie von einem Sog in die Mitte gezogen. Völlig verausgabt zieht es sie zum Wasser.

Und jetzt wird es spannend. Denn um das Becken stehen die Wasserballer zum Sprung bereit, beginnen im Rhythmus zu klatschen. Hoch oben auf dem Zehn-Meter-Turm steht einer, der zu einer Mutprobe bewegt werden soll. Er springt, taucht auf und gibt das Kommando für ein Szenario, bei dem die Tänzer und Sportler auf besondere Tuchfühlung mit dem blauen Nass gehen. Kraftvolle und ästhetisch schöne Bilder wechseln sich ab. Da halten sich die Wasserballer in einer Reihe an der Schulter, da verketten sie sich rücklings mit den Füßen oder springen schnell – sogar mit Rückwärtssalti – von den Türmen. Da stößt eine kniende Tänzerin auf dem Sprungbrett die Schwimmer von sich, bis sich diese daran hängen und stärker werden. Da wird eine andere mit Wassereimern überschüttet. Da treiben scheinbar leblose Körper im Becken. Und die Tänzerinnen ziehen auf dem Rücken der Wasserballer ihre Bahnen. Staunenswert ist die Leichtigkeit, mit der die zweifellos anstrengende Leistung einhergeht, und die synchrone Abstimmung des Geschehens im und außerhalb des Beckens.

Markowitz und Gmür gelingt mit dem Choreografie-Assistenten Edoardo Novelli und dem BSC-Team-Trainer Kevin Schneider eine spannende Symbiose von Kraft, Anmut und Ausdruck.