Pforzheim. Künstlerfabrikant“ hat man ihn genannt, schon zu Lebzeiten und dann immer wieder in zahllosen Beiträgen aus den verschiedensten Anlässen bei Ausstellungen, in Auktionen, Aufsätzen und Büchern: den Pforzheimer Schmuckunternehmer Theodor Fahrner, der wie kein Anderer Kunst und Kommerz auf ungewöhnliche Weise, mit Voraussicht, Tatkraft, kreativer Energie und letztlich auch mit viel Erfolg vereinigt hat.
Theodor Fahrner junior übernahm die von seinem Vater und Georg Seeger 1855 gegründete, vorrangig auf Ringe spezialisierte Firma nach dem Tod des Vaters 1883 als vierundzwanzigjähriger junger Mann. Er war als Stahlgraveur ausgebildet, hatte an der Badisch-Großherzoglichen Kunstgewerbeschule Pforzheim studiert und erweiterte schon bald die Produktpalette wesentlich. Laut Pforzheimer Adressbuch war Theodor Fahrner nun Bijouteriefabrikant. Wohl recht erfolgreich, und dennoch nicht so richtig zufrieden mit dem, was in seinem Unternehmen hergestellt wurde. Es musste etwas geschehen, und so hatte Fahrner die für seine Zeit recht ungewöhnliche Idee, mit Künstlern zusammenzuarbeiten, die ihm – obwohl sich diese zuvor kaum oder noch nie mit Schmuck befasst hatten – Entwürfe im damals aktuell werdenden Jugendstil liefern sollten. Dies geschah kurz vor 1900, als an der Pforzheimer Kunstgewerbeschule Persönlichkeiten wie die Maler Georg Kleemann und Julius Müller-Salem sowie der Bildhauer Fritz Wolber tätig waren. Auch in München, in Wien und vor allem in Darmstadt war enorme kreative Kraft gebündelt, die sich Theodor Fahrner zunutze machen wollte.
Seine Zusammenarbeit mit Rudolf Bosselt, Ludwig Habich und Patriz Huber – alle drei Mitglieder der Darmstädter Künstlerkolonie „Mathildenhöhe“ – stellte sich für den „Künstlerfabrikanten“ besonders erfolgreich heraus, wie auch die Kooperationen mit Kleemann, Müller-Salem und Wolber, mit dem Münchner Max Joseph Gradl und mit Max Benirschke in Wien.
Theodor und Martha Fahrners Tochter Vera wurde 1895 geboren; sie studierte Malerei unter anderem in Paris und entwarf gelegentlich auch Schmuck, ebenso wie der Maler Bert Joho, der 1904 als Dozent an die Pforzheimer Schule kam und im Jahr 1916 die Fahrner-Tochter Vera heiratete.
Mit seinem „Künstlerschmuck“ war Theodor Fahrner inzwischen bekannt und international erfolgreich geworden, nicht zuletzt durch die Teilnahme an der Weltausstellung in Paris im Jahr 1900, wo der Firma Fahrner eine Silbermedaille verliehen wurde. Auch die Beteiligungen an vielen weiteren Messen und Ausstellungen, beispielsweise in Brüssel, Dresden, Köln, Kopenhagen, der Auftritt auf der Weltausstellung 1904 in St. Louis in den Vereinigten Staaten von Amerika, all dies trug ebenso wie moderne Werbekampagnen dazu bei, dass der „Künstlerschmuck“ mit dem markanten Markenzeichen (ligiertes TF im Kreis) immer beliebter und bekannter wurde.
Wie weitsichtig und geschäftstüchtig Theodor Fahrner war, lässt sich unschwer erkennen an der Tatsache, dass – die Hoch-Zeit des Jugendstils war inzwischen vergangen und der Erste Weltkrieg ausgebrochen – der erfolgreiche Unternehmer sich auf die Produktion des sogenannten Kriegsschmucks umstellte: Vaterländische Motive und Aussagen (Eiserne Kreuze und Formulierungen wie „Gold gab ich für Eisen“). Auch an altgermanischen Vorbildern orientierte Schmuckstücke wurden in den Kriegsjahren hergestellt.
Automobil und Telefon
Theodor Fahrner war nicht nur eine interessante Persönlichkeit, er war auch ein sehr interessierter Mann, der nicht nur Geschäftsreisen tätigte, sondern auch kunst- und kulturorientierte Unternehmungen liebte (die große Ägyptenreise in Jahre 1907 legt davon beredtes Zeugnis ab). Er nannte eines der ersten Automobile in Pforzheim sein eigen, und es wird berichtet, dass einer der ersten Telefonanschlüsse der Stadt in seiner Firma geschaltet war. Modern war wohl auch seine Auffassung von der Zusammenarbeit mit denen, die auf unterschiedlichste Weise mit ihm und für ihn tätig waren.
Schon wenige Monate nach seinem Tode vor jetzt 100 Jahren verkaufte Martha Fahrner die Firma an Gustav Braendle, der sich bewusst war, welche Bedeutung der Name Fahrner hatte; kein Wunder also, dass Braendle ihn beibehielt und das Unternehmen als Gustav Braendle Theodor Fahrner Nachf(olger) – den berühmten Namen weiterhin nutzend – für viele Jahre erfolgreich weiterführen konnte.
Ein sicherlich außergewöhnlicher Mann war er, der „Künstlerfabrikant“ Theodor Fahrner: Ein Pionier der modernen Schmuckgestaltung und des innovativen Firmenmanagements, ein Mann, an den sich die Stadt Pforzheim, die ihm auch einen Straßennamen gewidmet hat, mit Stolz und Anerkennung erinnert.
Übrigens: Seine drei Urenkelinnen Amelie, Liane und Olivia, die in den USA und in Argentinien zuhause sind, kommen immer wieder einmal zu Besuch in die Stadt, zu deren wirklich bedeutenden Männern ihr Urgroßvater gehört.







