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Verblüffender Einfallsreichtum, virtuose Spielfreude: Hannes Mühlfriedel, Komalé Akakpo und Jörg Lanzinger (von links).  Foto: Frommer 

Selbstironische Stubenmusik zum Saisonauftakt: Lanzinger Trio liefert im Folkclub Prisma hörenswerten Auftritt

Pforzheim. Zum Start in den Herbst hat sich der Folkclub Prisma ein Konzert des Lanzinger Trios gegönnt. Und damit einen musikalischen Glücksgriff getan, bei dem so mancher Zuschauer gar nicht mehr aus dem vergnügten Staunen herauskam – oder aus dem Dauergrinsen, wie es Prisma-Chef Christian Roch am Ende auf den Punkt brachte.

Das Lanzinger Trio sind drei studierte Musiker, die den Klischees von der behäbigen Stubenmusik den Kampf angesagt haben: an Instrumenten mit nicht weniger als 169 Saiten. Im Gasometer glänzen Jörg Lanzinger (Zither), Hannes Mühlfriedel (Konzertgitarre) und Komalé Akakpo (Hackbrett) mit verblüffendem Einfallsreichtum, mit rasantem Tempo und virtuoser Spielfreude. „Zäppälin“ heißt die instrumentale Eigenkomposition von Jörg Lanzinger, mit der das Trio sein Gastspiel in der Goldstadt eröffnet – ein veritables Kabinettstückchen, das die achtminütige Rock-Ballade „Stairway To Heaven“ ein ums andere Mal unüberhörbar zitiert.

Mit der heiteren Melodie von „Flieder, Tee und Torte“ folgt – laut Gitarrist Hannes Mühlfriedel – die Antwort des Lanzinger Trios auf „Sex, Drugs and Rock ’n’ Roll“. Der Stil-Mix bleibt spannend: Die Zither liefert mal die Basslinie, mal eine ganze Serie Flageoletts. Feine Schlägel tanzen in rasantem Tempo und höchster Präzision auf den Saiten des Hackbretts.

Mal fein, mal dunkel

Sie lassen das alpenländische Instrument mal fein wie eine Mandoline und gleich darauf, beim Titel „Grüner wird’s nicht“, dunkel wie eine Ansammlung von Kalebassen klingen. Weitere Höhepunkte sind die tanzbare Komposition von Akakpo „Neu-Schwäbischer“ und sein getragenes „Bobinger Menuett“, das er nach seinem Geburtsort bei Augsburg benannt hat.

Rhythmuswechsel, eine kräftige Prise von Beethovens „Fünfter“ und die freibeuterische Sehnsucht nach Sommer in Südamerika, die Hannes Mühlfriedel zum „Choro Bavaria“ verarbeitet hat, halten die Spannung auch im zweiten Set hoch. Und die Lachmuskeln der Zuhörer streichelt das Trio mit dem Rundlauf zu Jörg Lanzingers „Durchs Donaumoos“, mit der „Moto-Polka“ und den maschinengewehrschnell abgefeuerten Wortfetzen bei der ersten Zugabe „Schwäbischer Gruß“. Mit der zweiten Zugabe „Blaue Weise“ klingt das seh- und hörenswerte Konzert bei abgedunkelter Bühne aus.

Weitere Informationen und Konzerttermine im Internet auf www.folkclub-prisma.de