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Russische Klangzaubererin: Alvetina Nikitina.  Foto: Frommer
Russische Klangzaubererin: Alvetina Nikitina. Foto: Frommer
15.05.2017

Servais Haanen präsentiert 9. Akkordeonale im Kulturhaus Osterfeld

Pforzheim. Erstaunlich, welch hohe Anziehungskraft gut gemachte Akkordeonmusik zu entfachen weiß! Der große Saal im Kulturhaus Osterfeld war bestens besucht – obwohl Servais Haanen und seine musikalischen Mitstreiter am Samstagabend, was das Publikumsinteresse ganz allgemein anlangt, vielleicht auch mit dem European Song Contest konkurrierten.

Sicher, das mag eine ganz andere Hausnummer sein, aber ohne den exzellenten Ruf und die nahezu jahrzehntelange Tourneepräsenz von Haanen, sähe es wahrscheinlich ganz anders aus – und so machte die Akkordeonale einmal mehr vor vollem Haus deutlich, welche fast unbegrenzte Klangvielfalt Bandoneon, Handharmonika, Quetschn oder Zaichorgel zu transportieren in der Lage sind.

Austarierte Balance

Ganz typisch für die Akkordeonale des sympathischen Holländers sind immer die Gäste aus nah und fern. Diesmal waren das der Franzose Laurent Derache, der Madagasse Rinah Rakotovao, der Bayer Stefan Straubinger und die Russin Alvetina Nikitina. Das schottische Duo „Twelfth Day“ – Geigerin Catriona Price und Harfenistin Esther Swift – sorgte für die fein austarierte Balance zu Bandoneon, Bass-, und Knopfakkordeon.

Fesselnd, wuchtig, russisch

Den kräftigsten Applaus für ein Solo erntete die junge Alevtina Nikitina aus Sankt Petersburg. In tempogeladenem Spiel verstand sie es, ihrem chromatischen Akkordeon, einem außerhalb Russlands selten zu hörenden „Bajan“, die ganze Klangfülle einer riesigen Kirchenorgel zu entlocken. Das Besondere am Bajan: Die Diskantseite des Instruments ist nicht mit Tasten, sondern mit Knöpfen bestückt, was einen merklich größeren Tonumfang mit sich bringt. Schon ihr erster Instrumentaltitel „Rondo Capriccioso“ wurde vom Pforzheimer Publikum ausgiebig gefeiert.

Heiter, verspielt – und tanzbar

Akkordeonmusik aus einer ganz anderen Welt bot Rinah Rakotovao aus Madagaskar. Er trug nostalgische, geradezu zum Tanz einladende Lieder von seiner Insel vor – und glänzte sowohl am Instrument, als auch am Mikrofon. Rakotovao ist Autodidakt und kam, wie Servais Haanen zu berichten wusste, erst durch das Geschenk einer älteren Dame in den Besitz eines Akkordeons. Quetschkommoden, so erläuterte Haanen weiter, seien erst mit der französischen Besatzung auf die Insel im Indischen Ozean gelangt. Inzwischen seien Ersatzteile aber längst Mangelware und die meisten Akkordeons auf Madagaskar ausgeschlachtet oder einfach kaputt.

Mit Geige und Harfe

Neben den Solis wusste Haanens Akkordeon-Virtuosen, verstärkt durch das exzellente Damen-Duo aus Schottland, auch als Ensemble zu überzeugen. Ebenfalls ein Highlight war der Titel „Gaivotas“ (Portugiesisch für „Möwen“), eine Eigenkomposition Haanens, die der Akkordeonist gemeinsam mit Geigerin Catriona Price und Harfenistin Esther Swift traumhaft schön umsetzte.

Weitere Infos: www.akkordeonale.de