In seiner berühmten Seelandschaft „La Vague“ (Die Woge) von 1870 hält Gustave Courbet die Wucht einer brechendenWelle fest.
Nach niederländischen Vorbildern entstand das Selbstporträt „L’Homme au Chien“ (Mann mit Hund), 1842.
Gustave Courbet
Kultur
Skandalöse Akte und radikale Kunst: Wie Gustave Courbet die Malerei revolutionierte
  • Uta Volz

Im PZ-Forum beleuchtete Kunsthistorikerin Claudia Baumbusch das Leben und Werk des selbstbewussten und rebellischen französischen Malers.

Wie kam es dazu, dass Gustave Courbet (1819–1877), ein überaus selbstbewusster, ja rebellischer Künstler, bis heute als Wegbereiter der Moderne gilt? Mit dieser Frage beschäftigte sich Kunsthistorikerin Claudia Baumbusch in ihrem Vortrag über den französischen Maler: „Er verabschiedete sich komplett von Klassizismus, Idealismus und Romantik und machte sein eigenes Ding.“

Das Museum Folkwang Essen zeigt noch bis zum 8. November in Kooperation mit dem Leopold Museum Wien in der Ausstellung „Ich, Gustave Courbet – Maler und Rebell“ (in Wien „Realist und Rebell“) 100 Werke des Künstlers, darunter 80 Gemälde.

Courbet wurde in Ornans in der Franche-Comté als Sohn von Grundbesitzern geboren. 1839 ging er nach Paris, kehrte aber fast sein ganzes Leben lang mehrere Wochen im Jahr in seinen Heimatort zurück. Er besuchte in Paris, so schilderte die Referentin, keine Akademie, sondern bildete sich an einer privaten Schule und beschäftigte sich im Louvre eingehend mit den Alten Meistern, vor allem den Niederländern, was man vor allem seiner Behandlung von Licht und Schatten, der Komposition sowie Faltenwürfen anmerke.

Die Natur als Inspirationsquelle

Auch ohne akademische Ausbildung gelang es ihm, sich ab 1844 jedes Jahr an Salon-Ausstellungen zu beteiligen, meist mit Selbstporträts, in denen er sich auch in unterschiedlichen Seelenzuständen und Rollen inszenierte. „Er malte sich förmlich in Rollen hinein“, erläuterte Baumbusch.

Bei seinen Heimatbesuchen in Ornans diente ihm die Umgebung, die felsige, mit Flüsschen und Grotten durchzogene Landschaft, als Motiv. Besonders interessierten ihn dabei Gesteinsschichtungen, die er in fast abstrakt wirkenden Kompositionen festhielt. Die reine Plein-Air-Malerei kam zwar erst 1840/50 mit der Schule von Barbizon auf, doch Courbet kannte das Malen im Freien aus der Schule. Er selbst machte wohl viele Vorstudien und komponierte die Landschaftsbilder dann im Atelier, schuf also keine „realistische“ Darstellung, weshalb die Referentin ihn auch nicht als Realisten bezeichnen wollte.

Wie Claudia Baumbusch erläuterte, benutzte der Maler vor allem das Palettenmesser zum Modellieren seines pastosen Farbauftrags und verlieh damit der Farbe Materialität, etwa in seiner berühmtesten Seelandschaft „La Vague“ (Die Woge), 1870, in der einzelne Farbsetzungen deutlich zu erkennen sind. In Ornans begann er, die Bevölkerung zu malen. Seine eigene Familie an einem entspannten Nachmittag, Steinklopfer bei der Arbeit, eine eingenickte Spinnerin, Bauern, die vom Markt heimkehren. Courbet erhob damit das Alltägliche zum Bildmotiv und verlieh ihm in „Ein Begräbnis in Ornans“ (1849/50) mit einem Format von 3 x 7 Metern eine monumentale Aussage. Als 1855 sein Bild „Atelier des Künstlers“ von der Jury des Salons abgelehnt wurde, ließ er „in einem Akt der Selbstermächtigung“ ein eigenes Ausstellungsgebäude erbauen.

Ein Maler ohne Tabus

Courbet, als Landmensch begeisterter Jäger, verdiente mit seinen zahlreichen Jagdbildern, die bei der bürgerlichen Schicht sehr beliebt waren, viel Geld. Zu seiner großen Bandbreite an Motiven gehörten natürlich auch Akte, manche, wie „Frau mit Papagei“ (1866), in einer überlieferten, „ziemlich verrenkten“ Pose, andere, wie „L’Origine du Monde“ (Der Ursprung der Welt, 1866), skandalös, in seiner Reduzierung auf die weiblichen Geschlechtsteile schon fast pornografisch. Claudia Baumbusch stellte hier eine Beziehung zu seinen zahlreichen Quellen- und vor allem Grottenbildern her, in denen es um dunkle Öffnungen als Bildmittelpunkt geht.

Gustave Courbets politische Aktivitäten in der Dritten Republik nach 1870 führten zu einem Prozess, hohen Regressforderungen und schließlich zu seiner Flucht ins Exil an den Genfer See, wo er bis zu seinem Tod 1877 vor allem einsam und melancholisch wirkende Landschaftsbilder malte.

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