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Wurde einst mit Badesalz bekannt: der Hesse Gerd Knebel.  Foto: Frommer 

Solo-Gastspiel „Weggugge“ des Kabarettisten Gerd Knebel in Pforzheim

Pforzheim. Gerd Knebel genießt Kultstatus. Schon in den 1980er-Jahren wurde der Comedian aus Rodgau weit über Hessen hinaus bekannt. Zunächst als Sänger der Gruppe Flatsch und nach deren Auflösung als eine Hälfte des sarkastischen Mundart-Comedy-Duos Badesalz. Gemeinsam mit Badesalz-Partner Hendrik „Henni“ Nachtsheim gastierte er bereits 2017 („Dö Chefs“) und 2012 („Bindannda“) im Kulturhaus Osterfeld. Am Freitag präsentierte er im ausverkauften Studio sein aktuelles Solo-Programm.

Mit „Weggugge“ liefert Gerd Knebel eine Art Anleitung für den Umgang mit den Themen, mit denen man sich am liebsten gar nicht beschäftigen möchte. Die von ihm humorig gegeißelte Palette ist breit angelegt: Sie reicht von „Kindergarten-Faschos“ bis zu pensionierten Lehrern, die auf der Suche nach edlem Grau oder Beige die Jack-Wolfskin-Läden verstopfen. Von den trällernden „Amigos“ bis zu fiesen Spycams auf Damentoiletten, von einer mit Arsen mordenden Japanerin bis zum Kinder schlagenden Mafioso. Sie karikiert den in der „Bild“-Zeitung mit leerem Halsband abgebildeten „Hundeliebhaber mit Migrationshundegrund“ und bricht eine Lanze für die Glatze, schließlich haben ja nicht nur Hooligans, so betont Gerd Knebel, sondern auch Buddha und der Dalai Lama gänzlich haarfreie Köpfe. Zwischendurch lässt Knebel immer mal wieder den „Rhön-Sprudel“ hochleben und meint: „Bass Uff! Genau Hingugge! Vielleicht ist ja der Nachbar der ideale Partner!“

Nur schade, dass Gerd Knebel erst in der Zugabe zu seiner Gitarre greift, denn die spielt er selbst unplugged noch immer rockig und hinreißend. Mit ein wenig mehr Musikeinlagen ließe sich die mitunter allzu geballte Dampfplauderei von Knebels Solo-Programm trefflich auflockern, denn es gibt schon ein paar Klamauk-Beiträge – wie beispielsweise den zum „Tele-Kamm“ – die ohne Nachhall einfach nur flach verpuffen. Am überzeugendsten kommt Gerd Knebel rüber, wenn er Wortwidersinn aus dem Alltag aufgreift und an den Pranger stellt. Zwei besonders gelungene Beispiele: Was heißt eigentlich „bildungsfern“ oder das meist eindimensional verstandene: „Wir wissen nie, was zu uns kommt“. Letzteres, so holt Knebel mit der hessischen, fast kabarettistischen Wortkeule kurz aus, hätte noch nicht mal die norwegische Mutter des späteren Massenmörders Anders Behring Breivik gewusst, „als man ihr den Neugeborenen in die Arme gelegt hat“.