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Walter Conz: „Schwarzwaldtanne“  Städtische Galerie Karlsruhe
Walter Conz: „Schwarzwaldtanne“ Städtische Galerie Karlsruhe
Johann Wilhelm Schirmer: „Das Geroldsauer Tal bei Baden-Baden“
Johann Wilhelm Schirmer: „Das Geroldsauer Tal bei Baden-Baden“
Gustav Kampmann: „Bergland im Schnee“
Gustav Kampmann: „Bergland im Schnee“
Friedrich Kallmorgen: „Der Taufgang“
Friedrich Kallmorgen: „Der Taufgang“
08.12.2016

Städtische Galerie Karlsruhe zeigt Bilder aus dem Schwarzwald

Dunkle Tannenwälder, lichte Höhen und klare Gewässer vereinen sich im Schwarzwald zu einer besonderen Landschaft. Die hat nicht nur natursuchende Großstädter angezogen, sondern immer auch die Künstler.

Gerade im 19. Jahrhundert hatten Maler einen wesentlichen Anteil daran, dass der Schwarzwald einen beinahe magischen Glanz erhielt. Die Städtische Galerie Karlsruhe hat den Bildern aus jener Zeit jetzt eine Ausstellung gewidmet.

Mehr als 200 Gemälde, Lithografien und Grafiken zeigen das faszinierende Panorama einer Landschaft, die nicht zuletzt durch das Wirken der Künstler exemplarisch für den Begriff Heimat steht – und mehr ist als Bollenhut und Kuckucksuhr. So wundert es nicht, dass die Stadt Karlsruhe diese Schau als Auftakt zu den Heimattagen 2017 sieht.

Ausflüge ins Murgtal

Die Blickrichtung auf den Schwarzwald ergab sich zunächst von Baden-Baden aus. Von dort führten Ausflüge hoch ins romantische Murgtal mit dem wohlhabenden Gernsbach. Radierungen und Stahlstiche von Grafikern wie Carl Kuntz, Christian Haldenwang, dem 1863 in Ispringen gestorbenen Carl Ludwig Frommel und Zeichnungen des französischen Malers Gustave Courbet belegen am Beginn der Ausstellung die Entwicklung des aufgeforsteten Schwarzwaldes durch das Großherzogtum und reflektieren mit zahlreichen Abbildungen von Burgen und Schlössern die Geschichte des Hauses Baden.

Deutlich aber stehen die Landschaften und ihre Bewohner im Mittelpunkt der Ausstellung. Es scheint ein durch und durch romantisierendes Bild zu sein, das von den Künstlern entworfen wurde, die ihre Basis zu einem großen Teil in der 1854 von Friedrich von Baden in Karlsruhe gegründeten Kunstschule hatten.

Ihr erster Leiter, Professor Johann Wilhelm Schirmer, führte seine Schüler oft zu Studienzwecken in den Schwarzwald. Sein Schüler Hans Thoma gilt als der Schwarzwaldmaler schlechthin. In der Städtischen Galerie sind unter anderem „Die Bibelstunde“, sein bekanntestes Werk, und im Gegensatz zu dessen dunklen und kompakten Farbklängen das in lichter Farbigkeit gemalte „Mein Heimattal“ zu sehen.

Thoma holte Maler wie Egon Bracht und Emil Lugo zu sich nach Bernau. Maler wie Friedrich Kallmorgen, Gustav Kampmann und Albert Kappis sowie der aus Sachsen stammende Wilhelm Hasemann liebten den Schwarzwald und malten hier gern in freier Natur. Hasemann kreierte damals mit der Gutacher Tracht und dem Bollenhut auch das „Schwarzwaldmädel“, das noch heute das touristische Markenzeichen der Region ist.

Zu der Landschaftsmalerei gehören ebenso die Abbildungen der an den Hang geschmiegten Ein-Raum-Bauernhäuser mit den typischen tief heruntergezogenen Dächern, eine wichtige Projektion des Begriffs Heimat für die Bewohner. Die Künstler sahen den Schwarzwald dagegen vielfach als geeigneten Ort der Sommerfrische. Einen konzentrierteren Blick auf die Realität werfen die alten Fotografien des später gefeierten Alfred Stieglitz. Und wer eine zeitgemäße Entwicklung des Schwarzwald-Begriffs sucht, der kann im Eingangsbereich bei Arbeiten von Anna und Bernhard Johannes Blume, Thomas Ruff, Daniel Roth und Brigitte Weber fündig werden.