Dankbar sei er, sagt Peter Jacobi, für diese Unterstützung seiner Stiftung, die ganz unerwartet kommt: Denn das Vermögen der Kulturstiftung des verstorbenen Pforzheimers Hans Eberhardt fließt in den kommenden Jahren in die geplante Förderung junger Künstler und Designer. Das mit 30.000 Euro dotierte Stipendium soll 2020 ausgeschrieben werden.
Was passiert mit der Stiftung von Hans Eberhardt?
Ein Jahr vor seinem Tod am 9. November 2016 verfügte der Kunstsammler, dass maximal zehn Prozent des Stiftungsvermögens jährlich zur Erfüllung des Stiftungszwecks – allem voran die Förderung zeitgenössischer Kunst – gespendet werden können. Bis 2025 fließen nun insgesamt rund 50.000 Euro in das Förderprojekt des bekannten Bildhauers und emeritierten Professors der Hochschule Pforzheim. „Das wäre ganz im Sinne meines Vaters gewesen“, sagt Jens Eberhardt, war doch sein Vater der Fakultät Gestaltung der Hochschule eng verbunden.
Wen fördert die Jacobi-Stiftung für Kunst und Design?
„Ich möchte Künstler und Designer unterstützen, die schon ein überzeugendes Programm haben und finanzielle Mittel benötigen, um ihre Projekte durchzuführen“, sagt der emeritierte Professor für Bildhauerei. Die Qualität des Werkes ist dann ausschlaggebend für die Vergabe eines Stipendiums, das für ein Jahr mit 30.000 Euro dotiert ist. Der erste Peter-Jacobi-Preis soll voraussichtlich 2020 ausgeschrieben werden. Eine Jury aus Vertretern der Hochschule, der Stadt und externen Fachleuten entscheidet, sodass 2021 der Stipendiat starten kann. Die Ergebnisse der einjährigen Arbeit werden dann 2022 in Pforzheim der Öffentlichkeit präsentiert – das Jahr, in dem eigentlich die Ornamenta stattfinden sollte.
Gibt es Berührungspunkte?
Ganz ähnlich war auch der Gedanke Eberhardts für seine Stiftung: „Ich möchte Künstler fördern, die noch nicht arriviert sind, wobei weder das Alter noch die Nationalität eine Rolle spielen“, schilderte er im Jahr 2010. Drei Jahre später zogen die ersten Stipendiaten in das Kunsthaus 19/21 an der Bleichstraße ein, unter ihren auch die Bildhauerin Annakatrin Kraus.
Wie kam es zur Zusammenarbeit?
„Es war schnell klar, dass die Familie nach dem Todesfall keinen Kunstbetrieb weiterführen kann“, sagt Irene Heck, die sich als Schwester von Hans Eberhardt um den Kunstnachlass kümmert. Dadurch sei der Stiftungszweck nicht mehr erfüllt worden. Und so machte sie sich auf die Suche nach einer Stiftung im Raum Pforzheim, die einen ähnlichen Gedanken verfolgt. „Und die Hochschule hat auf meine Anfrage prompt reagiert“, schildert sie. Schnell war der Kontakt zur Stiftungsverwalterin Katrin Zauner von der Sparkasse Pforzheim Calw hergestellt. Nach Rücksprache mit der Familie war klar: Die Ziele sind fast deckungsgleich.
Was geschieht mit dem Kunsthaus 19/21 und der Sammlung?
Die Räume des Kunsthauses sind inzwischen vermietet. Ein Teil der Sammlung Eberhardt bestand aus Leihgaben und Nachlässen von drei bekannten Künstlern: Karl Marx (1929–2008), Thea Koch-Giebel (1929–Februar 2018) und Rainer Herbst (geboren 1945), die Hans Eberhardt auch in großen Ausstellungen in Pforzheim präsentierte. Rund 120 der meist großformatigen Arbeiten des Kölner Kunstprofessors Marx sind inzwischen in Archive der Kunststiftung Nordrhein-Westfalen geflossen, die Werke der beiden weiteren Künstler gingen zurück an die Eigentümer. Die kinetische Installation „Zero Hidrográfico“ von Gisela Motta und Leandro Lima aus Sao Paulo/Brasilien schenkte die Familie dem ZKM Karlsruhe. „Der Rest führt einen Dornröschenschlaf in unserem Depot“, schildert Jens Eberhardt.


