nach oben
Bestens bei Stimme: Thomas Hampson (links), Nadine Sierra und Michael Fabiano mit dem Sinfonieorchester Basel. Foto: Kremper
Bestens bei Stimme: Thomas Hampson (links), Nadine Sierra und Michael Fabiano mit dem Sinfonieorchester Basel. Foto: Kremper
11.06.2019

Swingende Klassiker: „American Night“ bei den Pfingstfestspielen in Baden-Baden

Baden-Baden. Schwungvoll und fröhlich war die Eröffnung der diesjährigen Pfingstfestspiele im Festspielhaus Baden-Baden. Das lag an den Mitwirkenden, aber auch am Programm.

Thomas Hampson, Nadine Sierra und Michael Fabiano brachten unter der Überschrift „American Night“ Klassiker aus ihrer US-amerikanischen Heimat mit, was dem Sinfonieorchester Basel die Gelegenheit gab, Swing zu spielen. Ivor Bolton, seit zwei Spielzeiten Chefdirigent des Sinfonieorchesters Basel, hielt die musikalischen Fäden zusammen.

Gut gelaunt und bestens bei Stimme, zeigte das Solistentrio die Stärken der amerikanischen Gesangsausbildung. Präsent sein und unterhalten oder wie es der Titel der Koloraturarie aus Leonard Bernsteins Musical „Candide“ sagt: „Glitter And Be Gay“, also „Glitzere und sei gut drauf“. Mit Musik von Bernstein, Cole Porter und George Gershwin funktionierte das hervorragend. Selbst der sonst gern nachdenkliche Bariton Thomas Hampson gab sich spielfreudig und offenbarte komödiantisches Talent. Spritzig variierte er die augenzwinkernde Klage des verheirateten Mannes, wo sein affärenreiches Liebesleben als Single geblieben sei, in seiner witzigen Interpretation von Porters „Where Is The Life That Late I Led?“

Zu neuem Leben erweckt

Nebenbei betätigte er sich als Zweitdirigent und feuerte in „Night And Day“ mit Ivor Bolton die Musiker an, die diesen Klassiker von Cole Porter mit vitaler Rhythmik und flotten Jazzanklängen zu neuem Leben erweckten. Eine reizvolle Entdeckung waren drei der „Old American Songs“ von Aaron Copland, denen Hamp- son als erfahrener Liedgestalter gekonnt einen jeweils ganz eigenen Charakter verlieh, der genau dem Text des Stückes entsprach.

Um neben Hampson zu bestehen, braucht man eine große Stimme und ein gesundes Selbstvertrauen. Die junge Sopranistin Nadine Sierra verfügt über beides. Außerdem bestach sie durch sprühende Spiellaune. Herrlich übertrieben gab sie den Zwiespalt des „gefallenen“ Mädchens zwischen Reue und der Lust an Laster und Luxus, gekrönt von perfekt intonierten, aberwitzigen Koloraturen in „Glitter And Be Gay“. Amüsant ihr Duett mit dem Tenor Michael Fabiano. Dieser erwies sich als Romantiker des Trios. Klangschön, in makelloser Linienführung, besang er Tonys große Liebe „Maria“ – der Klassiker aus Bernsteins „West Side Story“.

Das Sinfonieorchester Basel glitzerte und funkelte in allen Klangfarben und dynamischen Schattierungen in dem Orchestermedley aus Gershwins „An American In Paris“. Hier kamen die hervorragenden Holz- und Blechbläser zur Geltung. Wunderbar, diese „Amerikanische Nacht“, so wie der gleich noch mal als Zugabe wiederholte Song „Wunderbar“ aus „Kiss Me Kate“. Auch der zweite Abend der Pfingstfestspiele griff das Thema USA auf, etwas ernster allerdings, mit Antonin Dvoraks Sinfonie „Aus der Neuen Welt“.