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Bazon Brock, bereits im vergangenen Jahr zu Gast an der Hochschule, ist einer der ganz speziellen Referenten. Foto: Ketterl/Archiv
Bazon Brock, bereits im vergangenen Jahr zu Gast an der Hochschule, ist einer der ganz speziellen Referenten. Foto: Ketterl/Archiv
23.06.2017

Symposium an der Hochschule bietet Vorträge über Luxus

Pforzheim. raucht die Menschheit einen Füllfederhalter für 1,2 Millionen Euro? Ist es luxuriös, sich einen Bentley Mark VI kaufen zu können? Um dann auch die Zeit zu haben, ihn ausgiebig zu fahren? Fragen, die man sich manchmal stellt – und eigentlich nie beantwortet bekommt.

Außer man stellt sie dem Montblanc-Kreativdirektor Zaim Kamal und morgen dem Bentley-Designer Thorben Kochs. Denn das Symposium „Luxus!? – Positionen zwischen Opulenz und Askese“ an der Hochschule bietet reizvolle Vorträge und zwölf spannende Referenten. Dabei reicht das Spektrum von lokalen Größen wie Christoph Wellendorff und Uhrenmacher Wilhelm Rieber über Professoren der Hochschule (Thomas Hensel und Jan Of) bis hin zu documenta-Künstler Olaf Nicolai.

Hier vier – persönliche – Vorschläge, welche Koryphäen unter den Gestaltern, Wissenschaftlern, Künstlern, Beratern und Kulturtheoretikern man keinesfalls verpassen sollte.

Zaim Kamal wird das ständig gefragt: „Was verstehen Sie unter dem Begriff Luxus?“ Kein Wunder, ist der in Pakistan geborene und in London lebende Kamal doch seit 2013 Kreativdirektor einer absoluten Luxusmarke. Montblanc fertigt unter anderem Füller, in denen gerne mal 5000 Brillanten stecken – bis vor einigen Jahren auch in Pforzheim von Roland Vogt gefasst.

Zaim, der in einem Interview seinen Stil als „Keith Richards trifft Dorian Gray“ beschreibt, hat eine allgemeine Antwort auf die Frage: „Luxus wird immer etwas sein, nach dem die Leute streben werden.“ Aber es gibt auch eine private Definition: „Für mich persönlich sind Zeit, Passion und jede Menge harte Arbeit wahrer Luxus“, sagt er. Aber muss das auch teuer sein? Diese Frage kann Kamal dann am Freitag ab 16 Uhr beantworten.

Bazon Brock, Denker im Dienst und Künstler ohne Werk, ist unter anderem emeritierter Professor am Lehrstuhl für Ästhetik und Kulturvermittlung an der Bergischen Universität Wuppertal. Er entwickelte die Methode des Action Teaching, bei dem der Seminarraum zur Bühne für Selbst- und Fremdinszenierungen wird. Und Brock ist Mitbegründer des Konvents der Asketen des Luxus. Bei dem unter anderem nachgewiesen wurde, dass das „Luxurieren“ ein durchaus sinnvolles ökonomisches Konzept sein kann. Und zwar anhand von Milliarden asiatischer Essstäbchenbenutzer. „Es lässt sich leicht errechnen, dass die Kosten für ein paar hochwertige goldene Essstäbchen pro wässrigem Mund sehr viel geringer sind, als die Kosten für die lebenslange tägliche Anschaffung von drei Paar hölzernen Essstäbchen“, schreibt Brock. Brocks rhetorisches Feuerwerk wird am Samstag um 15 Uhr in der „Luxus!?“-Ausstellung im Alfons-Kern-Turm gezündet.

Greta Taubert ist schon von Berufs wegen neugierig: Die Reporterin und Autorin aus Leipzig startet ein Experiment: Sie will herausfinden, ob Zeit wirklich Geld sein kann, sagt alles ab und besucht Zeitmillionäre, die ihr erklären, welche konkreten Konzepte funktionieren und welche nicht. Kann man sich selbst ein Grundeinkommen beschaffen? Oder mit Gemüse bezahlen?

Ist langsamer wirklich besser? Und wie klappt das: weniger zu arbeiten und mehr zu leben? Antworten auf diese Fragen gibt sie in ihrem im Eichborn Verlag erschienenen Buch „Im Club der Zeitmillionäre“ und bei ihrem Vortrag am Freitag um 14 Uhr.

Gelobt oder verachtet: Lambrecht Wiesing, Professur „Vergleichende Bildtheorie“, hat sich in seinem 2015 erschienenen Buch „Luxus“ intensiv mit diesem ambivalenten Phänomen auseinandergesetzt. Seine Überlegung: „Luxus ist: Wenn man es trotzdem macht; wenn ein Mensch, obwohl er weiß, dass es irrational, übertrieben, ineffizient, zu teuer und wohl deshalb eindeutig unvernünftig wäre, er trotzdem zu dem Schluss kommt, eine bestimmte Sache besitzen zu wollen.“ Aber eben nicht um der Provokation willen und schon gar nicht um seine Kaufkraft oder seine soziale Stellung zu demonstrieren – dafür reserviert Wiesing den Begriff des Protzes und grenzt ihn scharf von der Luxuserfahrung ab –, sondern um eine Erfahrung zu machen, bei der man sich von den üblichen Vorstellungen eines vermeintlich vernünftigen Lebens regelrecht befreit. Wie der Dadaismus in der Kunst, so Wiesing, dürfe der Luxus deshalb als Versuch verstanden werden, sich „gegen spießige Normvorstellungen“ zu behaupten. Ein Ansatz, über den man

sicher trefflich diskutieren kann – und zwar am Freitag ab 10 Uhr.