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Thomas Münstermann Foto: Meyer

Theater Pforzheim unterzeichnet Erklärung gegen Extremismus

Stuttgart/Pforzheim. Einsatz für eine offene Gesellschaft ohne Ausgrenzung: Das Theater Pforzheim ist eine von mehr als 100 Kunst- und Kulturinstitutionen, Verbänden und Freischaffenden in Baden-Württemberg, die die „Erklärung der Vielen“ unterschrieben haben.

In Karlsruhe sind der Tempel, das Tollhaus und das Badische Staatstheater dabei. „Wir wehren die illegitimen Versuche der Rechtsnationalen ab, Kulturveranstaltungen für ihre Zwecke zu instrumentalisieren“, heißt es in der Erklärung. Bis Dezember wurde sie in Berlin, Hamburg, Nordrhein-Westfalen und Dresden veröffentlicht, nun folgte der Südwesten. Im Mai sind in diversen Städten Demonstrationen geplant.

Unterzeichnet haben die Erklärung Thomas Münstermann, Intendant des Theater Pforzheims, und Verwaltungsdirektor Uwe Dürigen. „Zur Stärkung des Zusammenhalts in der Gesellschaft beizutragen und somit auch für Akzeptanz gegenüber sozialen Minderheiten zu werben, entspricht dem Selbstverständnis unserer Theaterarbeit“, sagen sie. Das Theater Pforzheim wirke vielfältig integrativ und gegen jede Form von gesellschaftlicher Spaltung. Das bedeute, Menschen unterschiedlicher sozialer Schichten, Ethnien und Altersgruppen nicht nur als Zuschauer jeden Abend zusammenzuführen, sondern auch mit pädagogischer Arbeit kollektiv und mitgestaltend am künstlerischen Geschehen teilhaben zu lassen.

„Wir setzen in der Zusammenstellung der Ensembles – wie jedes andere Theater in Deutschland auch – auf Internationalität und Vielfalt.“ Das Theater sehen Dürigen und Münstermann als Standpfeiler bei der immer wichtiger werdenden Verteidigung humaner, demokratischer Werte auch durch Kulturinstitutionen – gegen jede Form von Extremismus.

Im Wortlaut heißt es in der Erklärung:

„Die Kunst ist frei. Sie schafft Räume zur Veränderung der Welt.

Als Kunst- und Kulturschaffende in Deutschland stehen wir nicht über den Dingen, sondern auf einem Boden, von dem aus die größten Staatsverbrechen der Menschheitsgeschichte begangen wurden. In diesem Land wurde schon einmal Kunst als entartet diffamiert und Kultur flächendeckend zu Propagandazwecken missbraucht. Millionen Menschen wurden ermordet oder gingen ins Exil – unter ihnen auch viele Kulturschaffende.

Heute begreifen wir die Kunst und ihre Einrichtungen als offene Räume, die Vielen gehören. Unsere Gesellschaft ist eine plurale Versammlung. Viele unterschiedliche Interessen treffen aufeinander und finden sich oft im Dazwischen. Demokratie muss täglich neu verhandelt werden – aber immer unter einer Voraussetzung: Es geht um Alle, um jede*n Einzelne*n.

Der rechte Populismus, der die Kultureinrichtungen als Akteurinnen dieser gesellschaftlichen Vision angreift, steht der Kunst der Vielen feindselig gegenüber. Rechte und nationalistische Gruppierungen und Parteien stören Veranstaltungen, wollen in Spielpläne eingreifen, polemisieren gegen die Freiheit der Kunst und arbeiten an einer Renationalisierung der Kultur. Ihr verächtlicher Umgang mit Menschen auf der Flucht, mit engagierten Kunst- und Kulturschaffenden, mit allen Andersdenkenden und Anderslebenden verrät, wie sie mit der Gesellschaft umzugehen gedenken, sobald sich die Machtverhältnisse zu ihren Gunsten verändern würden. Rassismus, Diskriminierung und Ausgrenzung sind Alltag. Die extreme Rechte ist ein Symptom davon.

Dieses Bündnis will nicht nur die Symptome bekämpfen, sondern in die Tiefe wirken. Wir setzen uns deswegen mit den eigenen Strukturen auseinander und stellen diese zur Verhandlung. Wir müssen die Kunst- und Kulturräume sowie unsere Gesellschaft weiter öffnen, damit wir wirklich Viele werden! Die unterzeichnenden Kunst- und Kulturschaffenden in Baden-Württemberg erklären:

Wir führen den offenen, aufklärenden, kritischen Dialog über rechte Strategien und gestalten diesen Dialog mit Mitwirkenden und dem Publikum in der Überzeugung, dass alle Unterzeichnenden den Auftrag haben, unsere Gesellschaft als eine demokratische fortzuentwickeln.

Wir fördern im Sinne der Demokratie Debatten, bieten jedoch kein Podium für völkisch-nationalistische Propaganda.

Wir wehren jegliche Versuche der Rechtspopulist*innen ab, Kulturveranstaltungen für ihre Zwecke zu instrumentalisieren.

Wir solidarisieren uns mit Menschen, die durch rechte Ideologien immer weiter an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden.

Die Kunst ist frei!“

Nachzulesen ist dies auch unter https://www.dievielen.de/erklaerungen/baden-wuertemberg.