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Thomas Mogendorf vor ungewöhnlicher Landschaft: Sein Bühnenbild für die „Zauberflöte“ schafft einen Spagat zwischen Märchen und Volksstück. Foto: Meyer
Thomas Mogendorf vor ungewöhnlicher Landschaft: Sein Bühnenbild für die „Zauberflöte“ schafft einen Spagat zwischen Märchen und Volksstück. Foto: Meyer
Mogendorf mit seinen Entwürfen. Foto: Meyer
Mogendorf mit seinen Entwürfen. Foto: Meyer
15.09.2017

Thomas Mogendorf entwarf das Bühnenbild für die „Zauberflöte“

Pforzheim. Ein Bühnenbild kann nicht ohne enge Zusammenarbeit mit dem Regisseur entstehen.“ Thomas Mogendorf führt schon mit dem ersten Satz die verwegene Vorstellung ad absurdum, man brauche nur ein paar Sitzgelegenheiten, einen bunten Prospekt, einige Dekorationen und viele Türen, durch die die Auf- und Abgänge möglich werden – und fertig sei ein Bühnenbild. Was Mozarts „Zauberflöte“ anbelangt, mit der das Theater heute die neue Spielzeit eröffnet, macht Mogendorf gleich noch eine Steigerung deutlich: „Diese Oper ist eine besondere Herausforderung für mich“.

Beleuchtungsprobe im Theater – sozusagen der Beginn des Endspurts für die erste Premiere der Saison. Die Anspannung ist spürbar, fast greifbar – Mozarts „Zauberflöte“ gehört mit ihrer vielschichtigen Deutbarkeit zu den schönsten, aber auch schwierigsten Opern überhaupt. Für den Bühnenbildner ist die Arbeit allerdings so gut wie abgeschlossen. „Der Weg war vorgegeben von der Inszenierung“, kommt er auf die Basis der Überlegungen und auf die vielen Gespräche mit dem Regisseur Thomas Münstermann zurück. „Es geht immer um die Frage: Wo wollen wir hin, wo liegt der Ansatz zum Stück?“

Werkkenntnis wichtig

Dem Regisseur zuzuhören, meint Mogendorf, sei die zweite Voraussetzung für das Entstehen des Bühnenbildes. Die erste ist selbstverständlich: Ohne genaue Kenntnis des Werkes geht gar nichts. Was folgt, ist die Erarbeitung einer optischen Interpretation der inszenatorischen Vorgabe. Mogendorf, der von sich sagt, er sei ein Teamworker, lässt sich schon mal auf das Verwerfen eigener Ansichten ein: „Auch wenn ich manchmal schlucke – man muss Bühnenbild und Regie zusammen bekommen. Und niemals darf ein Bühnenbild zum Selbstzweck werden.“ Da sei es wichtig, „dass die Chemie stimmt“. Und das tut sie zwischen Mogendorf und Münstermann. „Eine schöne Zwangsehe“, nennt der 60-Jährige lachend die Zusammenarbeit. Man kennt sich von früher – Mogendorf, der jetzt als Gast am Pforzheimer Haus arbeitet, war von 1990 bis 2001 hier fest engagiert. Und ist der Stadt trotz neuen Domizils im Allgäu immer verbunden geblieben, schließlich stammt Ehefrau Petra, die er am Theater kennenlernte, aus Ispringen: „Man kommt ein bisschen wie nach Hause.“

Kaum zu glauben – es ist Mogendorfs erstes Bühnenbild für die Mozart-Oper: „Eine ziemlich große Aufgabe mit vielen Spielorten“. Und auch sonst ist die „Zauberflöte“ mit ihren überraschenden Verwandlungen ein kreativer Bühnenbild-Kraftakt, der schwer auf eine rein logische Linie zu bringen ist. Die Welt der „Zauberflöte“ ist undurchsichtig – eine Art Bilderbuch, aber immer mit tieferen Dimensionen dahinter und einem aufklärerischen Kern. „In der ,Zauberflöte’“, hat Thomas Bernhard einmal gesagt, „ist eben alles, was Theater ist und alles, was Musik ist“. Mogendorf schafft den Zauber-Spagat zwischen Märchen, Volksstück, Mysterien und Initiationsriten durch zwei verschiedene, fahr- und begehbare Bildebenen: Der unteren fantastischen, jungen Welt, die er als Collage aus verschiedenen Natur-Bildelementen angelegt hat, und dem weißen, klaren lichtdurchfluteten Überbau einer Welt der Älteren. Beide Welten, vermeintlich festgefügt, erweisen sich jedoch als brüchig. Mogendorf löst in dieser Suche nach einer neuen Wahrheit die bis dahin festen Strukturen der Kinderwelt auf und verlagert sie hinter den Überbau, der mit Durchblicken eine Sicht auf das, was hinter dem angeblichen Realismus lauert, zulässt.

Der Malerei verschrieben

Thomas Mogendorf hat Germanistik und Kunstgeschichte studiert – in den Beruf ist er „mehr oder weniger hinein gepurzelt“. Bereut hat er es nicht, inzwischen arbeitet er frei, widmet sich auch der Malerei, mit der er sich einen Namen gemacht hat. Da ist dann auch der Termindruck nicht mehr ganz so groß – „im Theater kommt er eigentlich immer auf“.

Und was kann sich sonst als leichter Schatten über die eigene Kreativität legen? Was ist, wenn der Regisseur eine leere Bühne will? Mogendorf zögert leicht: „Auch eine leere Bühne kann sehr ästhetisch sein.“ Ein anderes Problem, das man auch in Pforzheim kennt: knappe Finanzmittel. „Da wird hart kalkuliert, manchmal schummelt man sich irgendwie mit der Verwendung alter Materialien durch.“ Wichtig ist ihm aber vor allem eins: „Ein Bühnenbildner interpretiert das Stück. Ich bin kein Dekorateur.“