Pforzheim. Ein „musikalisch-utopisches Raritätenkabinett des 17. Jahrhunderts“ steht bei der sechsten Bachstunde in der Stadtkirche auf dem Programm. Eines, das die Kunst der Nachahmung von teils anonymen Meistern zeigt.
Ob Horn, Wecker oder Wachtel: Viele Instrumente und Tierstimmen kommen zu Gehör. Christoph Hesse (Violine), Haralt Martens (Violone) und Ralf Waldner (Cembalo) sind Kenner der historischen Aufführungspraxis, musizieren auf 415 Hertz gestimmten Nachbauten.
Zur schwungvollen Eröffnung lässt das Trio Barock das Jägerhorn in der gleichnamigen Sonata 12 eines ungenannten Komponisten zu Wort kommen – im tänzerischen Teil, der sich mit einem elegant-melodischen abwechselt. Die Violine färbt sich als Sprachrohr des Horns dann jeweils dunkler, wird rhythmischer. Ähnlich lautmalerisch ist „Das Post-Horn“ bei einer schnell schwingenden Sonata aus dem Wiener Minoritenkonvent. Mit Pausen, Akzenten und lustvollen Rufen wird hier das Blechblasinstrument imitiert. Virtuos ist der Geiger, klangfüllig-markant der Cembalist. Zuweilen etwas zurückgenommen wirkt der Violinist, der dafür bei der ebenso anonymen Sonate „Musicalisch Uhrwerk“ stärker in den Fokus tritt. Mit dem Cembalisten erzeugt er einen prächtig ostinaten Bass, zu dem der Violinist den Viertelstundenschlag zupft. Metallisch-hell bis dumpf blitzt dieses Einzel-Schlag-Pizzikato auf. Mit aufbrausendem Bogenstrich lässt der Geiger plötzlich noch den Wecker schrillen. Der Cembalist bringt dafür bei einem seiner beiden Soli, dem Capriccio sopra il cucu von Johann Caspar von Kerll, den Kuckuck auf die Tasten, lässt den Vogel kokett mit dem Kontrapunkt spielen. Noch mehr Getier miaut, quakt und schwirrt bei Heinrich Ignaz Franz Bibers Sonata representativa in A. Sogar ein monströses Musketier marschiert in Violone und Cembalo daher, erklärt Waldner in den Einführungen. Wenn das mal keine einfallsreiche Stunde ist!

