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Der Sarg von Roger Willemsen mit seinen Lieblingsblumen: Die bunten Ranunkeln durften die Trauergäste mit nach Hause nehmen.  Schulze
Der Sarg von Roger Willemsen mit seinen Lieblingsblumen: Die bunten Ranunkeln durften die Trauergäste mit nach Hause nehmen. Schulze
23.02.2016

Tränen und Ranunkeln: bewegender Abschied von Roger Willemsen

Hamburg. „Ich möchte die Menschen glücklicher verlassen, als ich sie angetroffen habe“ – ein Wort von Roger Willemsen. Sein Freund, der Publizist Manfred Bissinger (75), zitierte es auf der emotionalen Trauerfeier, bei der Familie, Freunde und Wegbegleiter in Hamburg Abschied von dem Autor nahmen.

Willemsen – Bestsellerautor, Fernsehmoderator und einer der bekanntesten Intellektuellen Deutschlands – war am 7. Februar im Alter von 60 Jahren einer Krebserkrankung erlegen. Mehrere hundert Trauergäste kamen auf den Ohlsdorfer Friedhof. In der historischen Fritz-Schumacher-Halle fiel Licht durch farbige Glasfenster auf den schlichten hellen Sarg, der wie in einem Meer aus brennenden Kerzen, bunten Blumen und knospenden Magnolienzweigen zu ruhen schien.

Willemsens Lebensprinzip sei „die Liebe in der Wahrheit“ gewesen, sagte Bissinger. In allen Ansprachen schienen die analytischen Fähigkeiten des Intellektuellen auf, aber auch seine große Empathie, seine Gabe zu zuverlässiger Freundschaft und Liebe sowie die stets den Horizont erweiternden Begegnungen mit ihm. Was seine Bereitschaft zu punktgenauer konstruktiver Kritik durchaus eingeschlossen habe. Oft kam es am Rednerpult und in der Trauergemeinde zu Tränen.

Für musikalische Begleitung sorgte im Laufe der eineinhalbstündigen Feier die Stargeigerin Isabelle Faust mit der ernst-bewegt dargebotenen Chaconne von Bach. Am Ende erklang vom Band Keith Jarretts Meditation „Blame It On My Youth“. Zur besonderen Geste geriet es, dass die Besucher sich Töpfe mit blühenden Ranunkeln vom Fuße des Sargs mit nach Hause nehmen durften – Willemsens Lieblingsblumen.

Unter den Trauergästen waren zahlreiche Prominente, darunter die Grünen-Politikerin Claudia Roth, die Schauspieler Iris Berben, Katja Riemann und Matthias Brandt sowie Moderator Eckart von Hirschhausen. Vor der Halle stand ein kleiner Tisch vom Afghanischen Frauenverein mit drei Fotos, auf denen Willemsen als dessen Schirmherr bei seiner Arbeit in Afghanistan zu sehen war.

Der Autor und Verleger Werner Köhler erinnerte an die letzten Monate des todkranken Willemsen. Der einstige Weltreisende habe da vom Leben auch Abschied genommen, indem er noch einmal ihm wichtige Stätten besuchte, berichtete Köhler. Dazu hätten Museen gehört, ein Zoo mit den von ihm geliebten Affen und eine Fahrt nach Norwegen, um an einem Fjord zu sitzen. Nach der Trauerfeier fand die Beisetzung im engsten Kreis statt.