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Werner Weißbrodt im vergangenen Jahr in seinem Atelier. Foto: Seibel (Archiv)
Werner Weißbrodt im vergangenen Jahr in seinem Atelier. Foto: Seibel (Archiv)
31.08.2017

Trauer um Professor Werner Weißbrodt, der in der Goldstadt das Fachgebiet „Grafikdesign“ begründete

Pforzheim. Die Schilder an der Autobahn mit dem Hinweis „Reuchlinhaus, Goldstadt Pforzheim“ oder die großformatigen Wandbilder mit Dinosauriern, Urzeitechsen und anderem monumentalem Getier im Naturkundemuseum Karlsruhe werden weiterhin an Professor Werner Weißbrodt erinnern. Am vergangenen Freitag ist der ehemalige Hochschullehrer, Grafikdesigner und leidenschaftliche Spielkartensammler im Alter von 89 Jahren gestorben. Im vergangenen Jahr hatte er der Stadt noch fünf Arbeiten seines Mentors Bernhard Karl Becker (1899-1991) übergeben.

Weißbrodt wurde 1928 in Hockenheim geboren und war nach Studien an der Freien Akademie in Mannheim und der Karlsruher Akademie der Bildenden Künste von 1954 bis 1964 beim Landesgewerbeamt tätig. Er konzipierte Ausstellungen und schuf dazu die Plakate. Dann erhielt er einen Ruf an die damalige Kunst- und Werkschule in Pforzheim (heute Fakultät für Gestaltung der Hochschule Pforzheim). Das Fach „Grafikdesign“ befand sich im Aufbau, dem Professor und seinen Schülern stand nicht mehr als eine Tafel und Kreide zur Verfügung. Er schreibt ein Lehrbuch, in dem er sich mit Flächen und Buchstaben befasst.

Weißbrodt hat Erfolg. Schon 1951 hatte er einen Plakatwettbewerb für die Olympischen Spiele in Helsinki 1952 gewonnen. Später gab er Unternehmen und anderen Institutionen mit Logos eine grafische Identität, ein Gesicht. Eigentlich hatte er ja Journalist werden wollen, doch eine Begegnung mit Bernhard Karl Becker brachte die Faszination fürs Zeichnen und er nahm Unterricht bei dem Maler.

Werner Weißbrodt war kein lauter Vertreter seiner Kunst. Er war ein akribisch arbeitender, hochgeschätzter Lehrer, Kollege und Ideenproduzent in seinem Genre, der mit dem Bildband „Pforzheim – die Goldstadt“ auch ein gedrucktes Bekenntnis für die ihm liebgewordene neue Heimatstadt schuf. In der Künstlerkolonie „Auf dem Berg“ in Würm hatte er sich ein Haus gebaut. 1999 wurde Weißbrodt mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet, im Jahr seiner Pensionierung, 1990, wurde er mit einer großen Ausstellung im Reuchlinhaus geehrt.

Die Trauerfeier findet am Mittwoch, 13. September, um 14.30 Uhr auf dem Hauptfriedhof statt.