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Uwe Middel
Uwe Middel
20.12.2017

Trauer um Uwe Middel: Mit Kunst Geschichten erzählt

Neuenbürg. Unweigerlich gehen die Mundwinkel nach oben, schleicht sich ein Lächeln ins Gesicht beim Betrachten der Kunstwerke von Uwe Middel. Heiter sind sie und hintersinnig, voll eigenwilligem Humor, großer Handwerkskunst und kreativer Fröhlichkeit. Diese Kunstwerke werden überdauern, werden den Menschen weiterleben lassen, auch nach dem überraschenden Tod des beliebten Neuenbürger Künstlers im Alter von 77 Jahren.

Lebenslustige Skulpturen

1940 in Lübbecke in Westfalen geboren, absolvierte Uwe Middel eine Goldschmiedelehre und das Studium an der Kunst- und Werkschule in Pforzheim. Als selbstständiger Modellgoldschmied entwickelten sich seine Schmuckstücke schnell weiter – zur größeren Form, zum Erzählraum seiner Geschichten. Denn Uwe Middel war ein beharrlicher Tüftler, der die humorvollen Seiten des Lebens schätzte und sie in seinen oft quergedachten Skulpturen manifestierte. Da sind die winzigen Männer- und Frauenfiguren aus Bronze, denen die Widrigkeiten des Lebens zu schaffen machen: So versucht der kleine Bronzemann den riesigen Stein hochzuheben – und Middel spricht ihm Mut zu: „nichts ist unmöglich...“ betitelte er sein Werk. Da lässt sich in einer Brunnenskulptur eine hingebungsvoll ausgestreckte Aphrodite von einem Wasserstrahl benetzen und da räkelt sich ein nur Zentimeter großer Mann in einem halbierten Apfel, wo sonst die Kerne sitzen. Ja selbst über Brillengestelle tanzen die Figuren des Künstlers. Seit 1978 führte Uwe Middel eine Gestaltungs- und noch länger eine Ehegemeinschaft mit seiner Frau Ute – sie als Batikerin und Malerin, er als Goldschmied und Bildhauer. Doch nicht nur die gemeinsame Kunst, die in Marokko lebende Tochter und der in Berlin lebende Sohn, die inzwischen vier Enkel und die Urenkelin verbanden das Paar. Es war auch die Freude an der zweiten Heimat, wo Uwe Middel seine Granatsteine fand, die dann in Neuenbürg zum runden Fundament seiner Skulpturen wurden. Wichtig war dem Ehepaar auch das gemeinsame Organisieren, Vorantreiben von Ideen, wie die Gründung der Kunstinitiative Pforzheim (KIP) vor 36 Jahren mit kontinuierlichen Ausstellungen, unter anderem mit „Das Gelbe vom Ei“ im Kulturhaus Osterfeld und dem KIP-Weihnachtsmarkt – zuletzt am vergangenen Wochenende, an dem Uwe Middel aufgrund eines Krankenhausaufenthalts nicht teilnehmen konnte. Montagnacht ist der 77-Jährige in Pforzheim gestorben. „Er war voller Tatendrang, hatte einen neuen Auftrag und viele neue Ideen“, sagt Ute Middel über ihren Mann, mit dem sie im vergangenen Jahr goldene Hochzeit feiern durfte.

Die Beerdigung findet am Donnerstag, 28. Dezember, 11 Uhr, auf dem Friedhof in Arnbach statt.