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Mehr Bücher wurden im vergangenen Jahr zwar nicht verkauft, dennoch konnten die Händler ein Umsatzplus erwirtschaften.  Foto: Dedert 

Trendwende auf dem Buchmarkt: Es geht wieder bergauf bei den Händlern – auch in Pforzheim

Frankfurt/Pforzheim. Positives Signal für den krisengeplagten Buchmarkt: Die Branche hat das vergangene Jahr mit einem leichten Umsatzplus abgeschlossen. Nach vorläufigen Zahlen wurde 2019 auf den zentralen Vertriebswegen ein Zuwachs von 1,4 Prozent verzeichnet, wie der Börsenverein des Deutschen Buchhandels in Frankfurt mitteilte. „Die positive Umsatzentwicklung zeigt: Die Relevanz des Buches in unserer Gesellschaft ist ungebrochen“, sagt Vorsteherin Karin Schmidt-Friderichs.

Die traditionellen Buchhändler vor Ort legten 2019 immerhin um 0,5 Prozent zu. Das sei der erste Zuwachs bei den sogenannten Sortimentern seit 2013, hieß es. Allerdings: Die Zahl der verkauften Bücher, etwa in den Buchhandlungen, im Internet oder in Kaufhäusern, ging um 0,4 Prozent zurück. Höhere Preise konnten diesen leichten Kaufschwund deutlich wettmachen. Im Schnitt kostete ein Buch 13,61 Euro – 1,9 Prozent mehr als im Vorjahr.

Die Zahlen basieren auf monatlichen Erhebungen des Marktforschungsunternehmens Media Control. Genaue Zahlen will der Börsenverein Mitte des Jahres veröffentlichen. 2017 war der Umsatz um 1,6 Prozent auf 9,13 Milliarden geschrumpft, 2018 war er dann auf diesem Niveau geblieben.

Auch im Pforzheimer Handel spiegelt sich das Plus wider: „Wir sind mit dem Weihnachtsgeschäft zufrieden, lagen wir doch mit unserem Umsatz über Vorjahr“, sagt Thalia-Filialleiterin Erika Föst.

Besonders erfolgreich sind derzeit Sachbücher. Hier wurde im vergangenen Jahr mit einem Zuwachs von 4,9 Prozent das größte Umsatzplus verbucht. „Sie bieten Orientierung und verlässliche Informationen, um die gesellschaftlichen Entwicklungen besser verstehen zu können“, betont Schmidt-Friderichs. Auch die Dillweißensteiner Buchhandlung von Uwe Mumm konnte mit Sachbüchern punkten, 2019 sei insgesamt positiv verlaufen. „Dank einiger neuer Produkte wie den Hörfiguren Tonies, aber auch Produkten aus dem Lifestyle-Bereich konnten wir das ein oder andere weniger verkaufte Buch gut kompensieren“, sagt Mumm. Im Gegensatz zu den deutschlandweiten Zuwächsen bei Kinder und Jugendbüchern (4,6 Prozent) verbuchte er einen leichten Rückgang, der aber durch höhere Preise wieder aufgefangen wurde. „Allerdings ist diese Tendenz schon etwas bedrückend, denn das Lesen sollte den Kindern schon ab dem frühestmöglichen Zeitpunkt nahegebracht werden.“

Ein leichtes Minus von 0,8 Prozent wurde in Deutschland bei der Belletristik verzeichnet. Der erfolgreichste Roman war den Angaben zufolge „Das Geschenk“ von Sebastian Fitzek, auf Platz zwei folgte mit „Herkunft“ von Saša Stanišić der Gewinnertitel des Deutschen Buchpreises 2019. Ferdinand von Schirachs „Kaffee und Zigaretten“ landete auf Platz drei. Neben Stanišić lief bei Uwe Mumm auch Daniela Kriens „Die Liebe im Ernstfall“ top.

Die drei meistverkauften Sachbücher waren laut Börsenverein allesamt auch bereits 2018 erfolgreich: Auf Platz eins landete Bas Kasts „Der Ernährungskompass“, gefolgt von Stephen Hawkings „Kurze Antworten auf große Fragen“ und „Becoming“ von Michelle Obama. Uwe Mumm verkaufte alle Titel von Yuval Noah Harari, Wald-Experte Peter Wohlleben aber auch das Buch des verstorbenen Hawking sehr gut.

Thalia-Filialleiterin Föst bestätigt die ermittelten Bestseller. Hinzu kommen aber Pforzheimer Besonderheiten wie Dieter Huthmachers „Hätt i bloß mei Gosch ghalte“ als bestverkaufter Titel im Weihnachtsgeschäft, gefolgt vom „Crash-Bestseller“ von Marc Friedrich und Matthias Weik, die auch im PZ-Forum zu Gast waren, sowie als Ausreißer das Vorsorge-Set der Stiftung Warentest.