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Klassik auf humorvolle Art: Posaunen-Ensemble Trombone Unit Hannover. Foto: ag
Klassik auf humorvolle Art: Posaunen-Ensemble Trombone Unit Hannover. Foto: ag
12.06.2018

Trombone Unit Hannover gastiert bei Maulbronner Klosterkonzerten

Maulbronn. Der Klang der Posaune, der im Alten Testament als Stimme Gottes beschrieben wird, ist metallisch gleißend, weich und satt. Wenn alle Mitglieder der Instrumenten-Familie, also Diskant-, Alt-, Tenor- und Bassposaunen, gemeinsam musizieren, sind die Klangballungen von archaischer Wucht und strahlen mit einer Durchschlagskraft, wie sie andere Instrumente kaum entfalten können. Spielen acht exzellente Posaunisten zusammen in der Maulbronner Klosterkirche, die mit ihrer Hall-Akustik wie ein Megaverstärker wirkt und die Klangwellen im Raum weit ausschwingen und schweben lässt, dann ist das wahrlich eine „Sound Explosion“, wie die Trombone Unit Hannover ihr Programm übertitelt.

Das in einigen Beiträgen durch Schlagwerk noch verstärkte Blechbläser-Ensemble setzte sich zunächst mit einem barocken Prachtwerk in Szene: Die Wiedergabe von Händels Ouvertüre zur Feuerwerksmusik („Music for the Royal Fireworks“, HWV 351) überbot in der für die Brass-Formation arrangierten Fassung alles an Klangkultur, Glanz und Intensität, was man sich vorzustellen vermag. Festliche Fanfaren, das gemessene Schreiten einer königlichen Triumph-Prozession und das klangfarbenbunt leuchtende Brillantfeuerwerk schienen in dieser Musik eingefangen.

Das Ensemble ist eben kein Posaunenchor, wie man ihn aus musikalisch engagierten Kirchengemeinden kennt, sondern ein elegant und virtuos intonierender, hervorragend ausbalancierter Klangkörper mit facettenreichen Registern. Die mit eigenständigem Tonfall für acht Posaunen arrangierte Interpretation von Jean Sibelius’ sinfonischer Tondichtung „Finlandia“ (op. 26) wurde deshalb zum Ereignis. Klangsatt tönende Passagen und lyrisch zarte Momente, getragen schwermütige Stimmungen und energiegeladene Aufschwünge lösten einander ab. Und die ebenfalls vom Arrangeur der Gruppe, Lars Karlin, bearbeiteten Sätze aus den Romeo-und- Julia-Suiten (op. 64) von Sergei Prokofjew faszinierten mit ihrer rhythmisch geballten, grellen Klangwucht – insbesondere in der berühmt gewordenen Ballsaalszene des Balletts.

Nach der Pause waren Originalkompositionen für Posauen zu hören. Das der Trombone Unit gewidmete Bravourstück „Olympia“ von Daniel Schnyder (geboren 1961) präsentierte sich modern und scheinbar chaotisch, mit rasantem Staccato-Laufwerk, Temposkalen und aus der Jazz-Musik entlehnten Spezialeffekten, mit abgründigem Grummeln und schrägen Glissando-Schleifern. Ganz anders hörte sich eine Etüde für tiefes Blech im Stile Anton Bruckners an – unaufgeregt ruhig und gelassen mit dunklem Klanggestus, in dem eine tiefe Frömmigkeit zu spüren war. Das abschließend gebotene Fantasiestück „Osteoblast“ von Derek Bourgeois (1941-2017) feierte nochmals die besonderen Ausdrucksmöglichkeiten der Brass-Musik.

Die von den rund 500 Zuhörern stürmisch herbeigeklatschte Zugabe war freilich ein Gag: In Maulbronn mit seiner altwürttembergischen Eliteschul-Tradition intonierten schmetternde Posaunen das Badner-Lied.