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Mit großem Gestaltungswillen: Der Pianist Bernd Glemser gibt in Maulbronn nicht nur einen Meisterkurs, sondern auch ein Rezital. Roller
Mit großem Gestaltungswillen: Der Pianist Bernd Glemser gibt in Maulbronn nicht nur einen Meisterkurs, sondern auch ein Rezital. Roller
28.08.2017

Unbändige Spielfreude: Pianist Bernd Glemser beeindruckt mit brillanter Spieltechnik

Während des Konzerts spricht er kein einziges Wort mit seinem Publikum. Aber das muss er auch nicht: Bernd Glemser lässt seine Spielweise für sich sprechen.

Auf den Tasten des Klaviers erzählt er im Laienrefektorium des Maulbronner Klosters ganze Geschichten. Schon die ersten Stücke des Abends sind symptomatisch dafür: Sechs ausgewählte Präludien von Claude Debussy stehen auf dem Programm. Ein verträumter Walzer folgt auf einen langsamen, graziösen Tanz; eine heiter vorgetragene Begegnung mit Gauklern auf eine in dunklem Moll gehaltene Vorahnung des Todes. Nuanciert und mit viel Klarheit bringt Glemser die Präludien zur Aufführung – besonders „La Cathédrale engloutie“, ein archaisch anmutendes Stück, das er dennoch äußerst zart entfaltet.

Sphärischer, aber nicht weniger stimmungsvoll kommen die ebenfalls von Debussy komponierten „Estampes“ daher. Fernöstliche Klänge tauchen in den „Pagodes“ auf, „La soirée dans Grenade“ klingt nach spanischer Folklore, und strömender Regen fällt in den „Jardins sous la pluie“ in sich ständig wiederholenden musikalischen Bewegungen inmitten von französischen Kinderliedern.

Höchst präziser Anschlag

Um dieses impressionistisch gefärbte Stück zu spielen, bedarf es einer Menge Fingerspitzengefühl und eines präzisen Tastenanschlags. Wie gut, dass Glemser über beides verfügt. Der 55-Jährige spielt technisch brillant und schafft es, selbst feinste Nuancen abzubilden. Das Pedal nutzt er nur selten. Es scheint, als wolle er nicht, dass sich die Farben vermischen.

Weiter geht es mit Chopins Walzern. Fünf gibt es zu hören: Mal locker, fröhlich, heiter und beschwingt vorgetragen, mal zupackender und energischer. Das Publikum staunt. Manch einer schüttelt ungläubig den Kopf angesichts der scheinbar unbändigen Spielfreude des in Dürbheim geborenen Pianisten.

Längst gilt Glemser auch international als einer der besten seines Fachs. Schon mit sieben Jahren erhielt er Klavierunterricht, und noch während er in Freiburg Musik studierte, wurde er in Saarbrücken zum Klavierprofessor berufen. In Maulbronn beschließt er das Konzert mit der f-Moll-Sonate, die Johannes Brahms in seiner Jugendzeit komponiert hat. Ein wuchtiges Werk voller Kontraste. Gekonnt variiert Glemser Lautstärke und Tonhöhe, lässt das zentrale Motiv des ersten Satzes kunstvoll in immer neuen Formulierungen auftauchen. Der zweite Satz wirkt liedhaft, der Dritte tänzerisch, der Vierte fast schon melancholisch.

Das Finale wird nochmal stürmisch. Genauso wie der Applaus, den das begeisterte Publikum minutenlang spendet. Zwei Zugaben beenden das mit viel Liebe zum Detail gestaltete Konzert im Maulbronner Kloster.