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Sehr gut aufeinander eingespielt: Peter Hemmer (Klarinette), Wolfgang Mücke (Fagott) und Karen Kirschenbauer an der Orgel. 

Ungewöhnliche Klangfarben in der Matthäuskirche

Pforzheim. Mit einem Konzert in ungewöhnlicher Besetzung wurde die Weigle-Orgel in der Matthäuskirche in der Reihe „Orgel des Monats“ vorgestellt. Die 1954 gebaute Orgel benötigt dringend eine grundlegende Überholung, und die Spenden aus dem kostenlosen Konzert sollten dazu ein Beitrag sein.

Klang- und Registriermöglichkeiten des Instruments stellte Karen Kirschenbauer mit zwei Orgelstücken von Louis James Alfred Lefébure-Wély (1817-1869) vor. Sein gefälliger und beim Publikum beliebter Kompositionsstil missfiel Kritikern als zu mondän. Sein bekanntestes Stück, der Boléro de concert op. 166, ist ein abwechslungsreiches Stimmungsbild. Die „Sortie“ in Es-Dur (Musik zum Ausgang) ist ein heiter auftrumpfendes kurzes Stück mit eingängigem Thema, einfacher Struktur und rasanten Läufen. Es erinnert fast ein wenig an eine Jahrmarktsorgel.

Mit Peter Hemmer (Klarinette) und Wolfgang Mücke (Fagott) spielte Karen Kirschenbauer drei weitere Werke von Komponisten des 19. Jahrhunderts. Die drei präsentierten sich als sehr gut aufeinander eingespieltes Team. Das ursprünglich in allen drei Werken vorgesehene Klavier mit der Orgel zu besetzen, erwies sich allerdings als weniger gelungen. Vor allem im abschließenden Konzertstück in d-Moll op. 114 von Felix Mendelssohn-Bartholdy (1809-1847) drängte sich die Orgel in den Vordergrund und gab der eher kantig-transparenten Komposition einen behäbig-mulmigen Anstrich, während sie eigentlich von ihren virtuosen Bläserduetten lebt. Das kurze, dreisätzige Stück überrascht mit unerwarteten Wendungen und Ausbrüchen, einer humorvoll-launigen Grundstimmung und eleganten Läufen.

Das Trio in Es-Dur von Conradin Kreutzer (1780-1849) ist ein funkelndes kleines Juwel der Kammermusik. Tänzerisch verspielt das eher zarte Maestoso mit seinen unzähligen Verzierungen, in dem das Fagott gut zur Geltung kommt. Heitere ländliche Stimmung verbreitet die Romanze mit weiten Melodiebögen. Danach folgt unvermittelt ein Andante mit einem gemäßigt schreitenden Moll-Thema. Beendet wird das Trio von einem langen Rondo, ein fröhlich hüpfendes Thema in unterschiedlichsten Variationen.

Im „Nocturno“ in F-Dur des als Militärmusiker tätigen Komponisten Friedrich Wilhelm Voigt (1833-1894) stellt das Fagott ein getragenes, sanftes Thema vor, das die Klarinette übernimmt und sich sacht perlend in der Orgel fortsetzt. Der Eindruck von nächtlicher Stille wird kurz von einem dezent dramatischen Intermezzo unterbrochen. Das Publikum in der gut besuchten Matthäuskirche spendete herzlichen Applaus mit stehenden Ovationen.