nach oben
Zu Gast: Claire Keegan.  Macleod
Zu Gast: Claire Keegan. Macleod
11.03.2016

Ungewöhnliche Virtuosität: Die irische Autorin Claire Keegan liest aus „Das dritte Licht“

Pforzheim. Das internationale Literaturfestival „Sprachsalz“ findet vom 6. bis 8. Mai erstmals in Pforzheim statt. Dahinter steckt ein besonderes Konzept, das den Besuchern kostenfrei Zugang zu zeitgenössischer Literatur aus verschiedensten Ländern bietet. Veranstaltungsort ist das „Parkhotel“, in dem die Autoren auch übernachten werden. So haben die Besucher die Möglichkeit, in ungezwungener Atmosphäre mit den Literaten beispielsweise an der Hotelbar ins Gespräch zu kommen. Die PZ stellt heute die Autorin Claire Keegan vor.

Die Autorin: Claire Keegan lebt in der Grafschaft Wexford im Südosten von Irland. 1968 geboren, wuchs Keegan auf einer Farm auf, bevor sie Anglistik und Politikwissenschaft in New Orleans studierte und ein Studium des Kreativen Schreibens in Cardiff anhängte. Ganz offensichtlich erfolgreich: Für ihre Erzählungen hat sie bereits zahlreiche Preise erhalten.

Das Werk: In Keegans jüngster Erzählung „Das dritte Licht“, kommt ein Mädchen, Tochter eines Trinkers und einer Mutter, die im Grunde längst genug Mäuler zu stopfen hat und wieder schwanger ist, für einen Sommer zu Pflegeeltern aufs Land. Das anfänglich als Bedrohung empfundene neue Leben wird zum großen Glück mit vielen kleinen Wundern. Dabei stößt der Leser auf einige Rätsel, von denen nicht alle gelöst werden. Für diese Erzählung, die Richard Ford einen „Drahtseilakt von ungewöhnlicher Virtuosität“ nennt, hat die Autorin den Davy Byrnes Award erhalten.

Der Schreibstil: Knapp und dicht webt Claire Keegan ihre Erzählungen, folgt dabei den verschlungenen Pfaden des Alltags, spricht über Männer und Frauen, die oft sehr nüchtern ihren Weg gehen, der nicht unbedingt ins Glück führt. Aber die Autorin hat auch positive Überraschungen, unerwartete Glücksmomente parat, so etwa in ihrer auf Deutsch erschienen Erzählung „Das dritte Licht“. Keegan setzt dabei kleine Nuancen und verzichtet auf grelle Effekte.

Das Zitat: „Ach, Frauen haben doch fast immer recht“, sagt er. „Weißt du, wofür Frauen ein Talent haben?“ „Wofür?“ „Für Eventualitäten. Eine kluge Frau kann eine Sache bis ans Ende überblicken, sie riecht, was kommt, ehe ein Mann auch nur Witterung aufnehmen kann.“(aus: „Das dritte Licht“, Seite 75).

Die Lesung: Keegans Übersetzer Hans-Christian Oeser hat neben seinem Haupterwerb eine zweite Leidenschaft: Er liest gerne und gut vor. Deshalb begleitet er Keegan als „erstklassige und angemessene deutsche Stimme“, wie die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ schrieb.