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Liebt die Verbalattacke gegen Politiker: Kabarettist Uwe Spinder.  Jähne
Liebt die Verbalattacke gegen Politiker: Kabarettist Uwe Spinder. Jähne
28.09.2015

Uwe Spinder bringt messerscharfe Satire auf den Seziertisch

Heimsheim. Nein, eine allzu große Parteilichkeit kann man dem Stuttgarter Kabarettisten Uwe Spinder beileibe nicht vorwerfen: In schönster Regelmäßigkeit und mit absoluter Bravour klatscht der 48-Jährige die komplette Farbpalette der deutschen Polit-Landschaft an die Wand – von Schwarzgrün bis Rotgelb ist niemand im Ländle vor seinen Spitzen und Verbalattacken sicher.

Mit seinem aktuellen Programm „Wir können alles“ gastierte Spinder am Freitagabend vor 70 Besuchern in der Stadtbücherei in Heimsheim. Sein Lieblingsthema, und daran hat sich bis heute nichts geändert: das umstrittene Bauprojekt Stuttgart21, das von Spinder auch als „Bahnsinn mit dem Wahnhof“ umschrieben wird.

Ein Milliardengrab, so der Kabarettist weiter, das sich hervorragend in das „Ballett der Baukräne“ der Landeshauptstadt einfüge, gäbe es in Stuttgart laut Statistik jährlich doch fast 18 000 Baustellen zu verzeichnen, aus denen wiederum 88 Staustunden pro Verkehrsteilnehmer entstehen.

Immer am Puls der Zeit, lässt Spinder kein gutes Haar mehr an den Landesvätern von Baden-Württemberg: Eine CDU ohne Mappus sei für ihn „eine Dreiviertelstunde Programmverlust“, Kretschmann spreche wie „Lothar Späth auf Hybrid“, während er hoffe, dass sich BaWü „bei Guido nicht den Wolff wähle“. Den Seitenhieb, dass Oettinger immerhin noch das Zeug zum Bildschirmschoner hat, kann sich Spinder in Hinblick auf das einigermaßen gelungene Titelfoto einer großen Tageszeitung nicht verkneifen.

Wortgewandt und clever

In der Stadtbücherei holt sich Spinder allerhand Prominenz auf die Bühne: „Polit-Balotelli“ Horst Seehofer oder Thomas Diemisere, aber auch die Biografie von Claudia Roth und ein Sprüchebuch über Angela Merkel wird von ihm gewohnt gnadenlos und messerscharf analysiert. Wortgewandt und clever gibt der Alleinunterhalter satirisches Fachwissen an sein Publikum weiter: Warum die Griechen im Sommer nicht grillen? Weil sie keine Kohle haben. Was aus dem einstmaligen Land der Dichter und Denker geworden ist? Zitat, leicht verfälscht: „Denk ich an Deutschland in der Nacht, schlaf ich weiter bis halb acht.“ Heinrich Heine einmal anders. Auch so was ist bei Uwe Spinder möglich. Alexander Jähne