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Vier Hände für Schubert: Franziska Lee (links) und Sontraud Speidel. Foto: Roller
Vier Hände für Schubert: Franziska Lee (links) und Sontraud Speidel. Foto: Roller
05.06.2019

Viel Liebe zum Detail: Sontraud Speidel und Franziska Lee im Domicile

Pforzheim. Nie kommen sie sich in die Quere – egal, wie schnell ihre Finger über die Tasten gleiten. Jede hat einen eigenen Spielbereich, eine eigene Zuständigkeit. Sontraud Speidel und Franziska Lee gelingt es, mit großer Ausdruckskraft, mit sicherer Interpretation, mit viel Liebe zum Detail an einen ungemein produktiven Komponisten zu erinnern: Franz Schubert.

Ein Programm voller Kontraste haben die Ausnahmekünstlerinnen fürs „domicile“ vorbereitet: hier heroische Märsche, schnell gesetzte, gleichmäßige metrische Akzente, tosende, nach „Tschinderassabumm“ klingende Stücke. Dort zarte, gefühlvolle Melodien, die grazil ineinanderfließen. Am besten, man schließt die Augen und konzentriert sich allein auf die klangliche Fülle der dargebotenen Kompositionen.

Spritzig und lebendig

Vielgestaltig und farbenreich sind die Six Grandes Marches et Trios (D 819): voller Zärtlichkeit auf der einen und voll unbändiger Energie auf der anderen Seite. Spritzig und lebendig, mit zupackender, bisweilen energischer Spielweise bringen sie die Pianistinnen zum Vortrag. Klar und unprätentiös, ohne unnötige Schnörkel laden sie im gut besuchten Jazzclub zum Träumen ein. Nuanciert gelingen auch die Trois Marches Héroiques (D 602) und die bisweilen melodiös klingende Ouverture g-Moll (D 668). Das von zahlreichen Tempo- und Taktwechseln, vom Kontrast zwischen Harmonie und Angriffslust geprägte Allegro moderato und Andante C-Dur/ a-Moll (D 968) interpretieren die Beiden äußerst zart. Ebenso die Fantasie g-Moll (D 9), die Schubert schon als Teenager komponiert hatte. Stilsicher durch harmonische Labyrinthe geht es im Thema aus der Oper „Marie“ von Ferdinand Hérold (D 908). Am Klavier sitzen die beiden Künstlerinnen dicht nebeneinander: Speidel, die Professorin, die mehrfache Preisträgerin, die unzählige Uraufführungen betreut hat. Und Lee, die junge Pianistin, die ihr Studium an der Seoul National University als Jahrgangsbeste abschloss und auf der ganzen Welt konzertiert.

Beide haben ihr Instrument im Griff, spielen technisch brillant, variieren gekonnt Lautstärke und Tonhöhe und schaffen es, selbst feinste Nuancen abzubilden – etwa, indem sie im richtigen Moment den Bruchteil einer Sekunde innehalten. Tosender Beifall für einen außergewöhnlichen Konzertabend.