Pforzheim. Was macht den Besuch einer Ausstellung aus – und wie können in architektonischen sowie digitalen Räumen Geschichten erzählt und Menschen zusammengebracht werden? Im Rahmen einer Kooperation mit dem Freundes- und Förderkreis der Pforzheim Galerie haben Studierende aus dem Bereich Visuelle Kommunikation der Hochschule Pforzheim Konzepte für künftige Ausstellungsformate entwickelt.
Die Welt der Museen und Galerien befindet sich im Wandel: von der historischen Wunderkammer und wissenschaftlich aufbereiteten Sammlungen hin zu Orten der Begegnung, des Austauschs und der gemeinschaftlichen Wissensproduktion. Vom Brockhaus zu Wikipedia verändert sich unsere Definition von Wissen. „Und damit wandelt sich auch das Format der Ausstellung an sich: Es wird vielschichtiger, erweitert sich in digitale Räume und wird zunehmend partizipativ“, sagt Dozentin Dagmar Korintenberg. Das Reallabor, um diesen Wandel umzusetzen, bot die Pforzheim Galerie. Der Freundes- und Förderkreis der Pforzheim Galerie feiert in diesem Jahr sein 30-jähriges Bestehen.
Um möglichst konkrete Konzepte zu entwickeln, hatten Korintenberg und Fischer Künstlerinnen und Künstler angesprochen, anhand derer die Studierenden ihre Ausstellungsformate erarbeiten konnten. Neben dem Stuttgarter Fotografen-Duo Frank & Steff waren dies Sonja Keppler, deren organische Skulpturen schon in einigen Ausstellungen zu sehen waren und Leo Staigle. Der Maler ist wie Keppler Absolvent der Fakultät für Gestaltung und wird seine Arbeiten im Herbst in der Pforzheim Galerie zeigen. Laura Rudi hat ihm ihr Konzept „Bauchgefühl“ gewidmet und seinen Arbeitsprozess als Grundlage der Ausstellungsgestaltung genommen. Sie stellt nicht nur die finalen Leinwände aus, sondern zeigt, wie er seine Bilder aufbaut und wie sie sich Schritt für Schritt „aus dem Bauch heraus“ verändern.
Chiara Heinzler bindet in ihr Konzept „Urban Perception“ den Stadtraum ein. Augmented-Reality-Stationen machen Kunstwerke über das Smartphone im öffentlichen Raum erlebbar. In der – bereits beliebten – „Artothek“, erklärt Anna Graf, könnten Kunstwerke wie in einer Bibliothek ausgeliehen oder gekauft werden. Eine solche Auseinandersetzung sei viel intensiver, weil sich Kunstfreunde über den Museumsbesuch hinaus mit dem ausgeliehenen Werk beschäftigten. Esther Podrasa hat einen „Raum der Vielfalt“ geschaffen, der möglichst barrierearm gestaltet ist und auf kulturelle und inklusive Teilhabe eingeht. Die Exponate sind visuell, aber auch über Audio erfahrbar, es gibt einfache Infos in unterschiedlichen Fremdsprachen.
„Das Bild als Ort“
Viktoria Sisin erdachte für Frank & Steff Merchandising-Produkte, etwa eine Reinigungsmilch, die sich auf die Ästhetik ihrer Arbeiten beziehen und rufen: Seid ungeschminkt, seid ihr selbst! In Theresa Zettelmanns Konzept „Das Bild als Ort“ lehnt sich die Architektur der Ausstellungsräume an die Räume der Malerei von Leo Staigle an und macht die architektonischen Bilder so im doppelten Sinne erfahrbar.
Das Fazit von Dozentin Korintenberg: „Die Zusammenarbeit mit den Künstlerinnen und Künstlern hat den Studierenden eine wichtige Rolle in der Ausstellungsgestaltung bewusst gemacht: Als Kommunikationsdesigner vermitteln sie die Inhalte oder künstlerische Arbeiten anderer mit ihrer eigenen Arbeit.“

