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Fotografien von Udo Spreitzenbarth sind zur Zeit im VolksbankHaus Pforzheim zu sehen. Foto: Spreitzenbarth
Fotografien von Udo Spreitzenbarth sind zur Zeit im VolksbankHaus Pforzheim zu sehen. Foto: Spreitzenbarth
Das Museum Frieder Burda in Baden-Baden widmete dem Künstler Andreas Gursky im vergangenen Jahr eine große Ausstellung. Hier sein Werk „99 Cent“ . Foto: Deck
Das Museum Frieder Burda in Baden-Baden widmete dem Künstler Andreas Gursky im vergangenen Jahr eine große Ausstellung. Hier sein Werk „99 Cent“ . Foto: Deck
12.05.2017

Vier deutsche Fotografen unter den wichtigsten Künstlern weltweit

Fotografie boomt - auch in Deutschland: Großformatige Arbeiten sind gefragt.

Pforzheim. Unter den 33 wichtigsten Künstlern weltweit sind allein vier deutsche Fotografen – angeführt von Thomas Ruff auf Platz sieben, gefolgt von Wolfgang Tillmans (14), Thomas Struth (32) und Andreas Gursky (33). Der ist wiederum Inhaber eines besonderen Rekords: Sein Bild „Rhein II“von 1999 hat den höchsten Preis erzielt, der jemals bei einer Auktion für eine Fotografie geboten wurde. 3,1 Millionen Euro war es 2011 einem Bieter bei Christie’s in New York wert. Fotografie boomt – auch in Deutschland.

Warum gibt es eine so große Nachfrage nach zeitgenössischer Fotografie?

Zwei Gründe für diese Entwicklung nennt Professor Manfred Schmalriede, Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Photographie und der Deutschen Fotografischen Akademie: Zum einen würden sich Museen und damit auch der Kunstmarkt verstärkt für Fotografie interessieren, zum anderen boomten die Ausbildungsstätten, etwa an Hoch- und Privatschulen. „Das Interesse ist schon geweckt durch die Loslösung der Fotografie vom strengen Gebrauch durch die Straße hin zur freien Handhabung“, sagt Schmalriede. Will heißen: Fotografie wird als autonome Kunst wahrgenommen. Es hänge auch damit zusammen, dass das Fotografieren inzwischen für jeden zugänglich sei: „Wer telefonieren kann, kann auch ein Foto machen.“ Diese Konstellation sei neu und zukunftsträchtig – „weil wir jetzt mit Bildern umgehen können“.

Wie stand es in den vergangenen Jahrzehnten mit dem Interesse an der Fotografie?

Mit dem Aufkommen des Fernsehens in den 1950er-Jahren brachen schwere Zeiten für die Fotografie an. „Damals dachte man, alles geht über die Bewegung, über das bewegte Bild“, sagt der Foto-Experte. Es habe sich erst langsam herauskristallisiert, dass die Fotografie einen Vorteil habe: „Sie kann sich auf etwas konzentrieren. Kann einen Blick inszenieren“, schildert der Kurator zahlreicher Ausstellungen. „Fotografie hält die Welt für einen Moment an.“

Wie sieht es mit Galerien für Fotokunst aus?

Viele Galerien, sagt der Professor für Ästhektik, öffneten ihre Pforten „und schließen dann nach zwei Jahren wieder“. Mit Fotografie könne man eigentlich nur Geld verdienen, wenn große Formate gehandelt werden. Diese Erfahrung macht auch der aus Pforzheim stammende Star-Fotograf Udo Spreitzenbarth. Er wird durch die New Yorker „3Squared“-Galerie und das Tangram Art Centre in Shanghai vertreten. Hier spielen beim Preis die Auflage und die Größe des Bildes eine Rolle. Für größere Arbeiten Spreitzenbarths werden dann zwischen 8000 und 18.000 Euro aufgerufen.

Und wer kauft was?

Sehr gut hält sich beim Verkauf von Fotografien die Galerie Lumas mit starkem Internetauftritt und über 40 Filialen in Deutschland, Europa, USA und Russland. Die Editionsgalerie verkauft die Fotos von arrivierten Künstlern und Newcomern nicht als Unikat, sondern in Kleinserien ab 75 Stück. Gerade mit den oft dekorativen Bildern spricht das Unternehmen auch eine jüngere Käuferschicht an. Anders sieht das bei den Arbeiten von Udo Spreitzenbarth aus. Seine großformatigen Bilder aus den Reihen „8 Spirits“ und „Celebrities. Between Light and Dark“, die auch im Kulturhaus Osterfeld in Pforzheim zu sehen waren, sind signiert, haben ein Zertifikat und eine maximale Auflage von fünf Stück. Neben internationalen Käufern zählen auch das Landratsamt Enzkreis und die Sammlung Klein in Eberdingen-Nussdorf zu den Besitzern von Spreitzenbarth-Fotografien.

Verändert das inflationäre Fotografieren mit Handys die Fotokunst?

Das Selfie-Phänomen, sagt Schmalriede, habe den interessanten Aspekt, dass sich Menschen erstmals selbst zum Bild-Gegenstand machten. „Wenn ich mich in meinem Umfeld fotografiere, dann betrachte ich mich auch in ihm.“ Das sorge – im ganz kleinen Rahmen – für einen Reflexionsprozess. „Wenn wir im Museum eine Fotografie betrachten, vergessen wir, wer sie wann aufgenommen hat.“ Aber jetzt werde die Fotografie wieder zu einem Medium im Wortsinn: „Sie vermittelt und setzt in Beziehung zum Selbst und zur Umgebung.“