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Feines Gespür für den Charakter der Stücke: Diethard Stephan Haupt (links) und Franz Tröster. 

Voller Wucht und Eleganz: Begeisterndes Finale des Pforzheimer Orgelsommers

Pforzheim. Spontan stehen die Zuhörer im Kirchenschiff auf, als dort zum Ende des Konzerts, als Zugabe, die britische Nationalhymne "God Save The Queen" erklingt. Angesichts der Ereignisse der vergangenen Tage ist es ein überaus eindrücklicher, fast schon berührend-emotionaler Moment, mit dem der diesjährige Pforzheimer Orgelsommer in der katholischen Kirche Sankt Franziskus zu Ende geht.

Verantwortlich dafür sind Diethard Stephan Haupt und Franz Tröster, die auf ihren Instrumenten am Sonntagabend wahre Glanzleistungen vollbringen: Haupt an der Orgel, Tröster an Trompete und Kornett. Das Zusammenspiel der beiden ist von außergewöhnlicher Harmonie und Dynamik geprägt, voller Energie und einer Selbstverständlichkeit, die leicht über die dahinter verborgenen Mühen hinwegzutäuschen vermag.

Die beiden Musiker spielen die Stücke nicht einfach herunter, sondern widmen ihnen volle Aufmerksamkeit, zelebrieren jedes einzelne mit einem feinen Gespür für den jeweiligen Charakter. Es ist eine Freude, ihnen dabei zuzuhören. Zumal das rund einstündige Konzert einer wohlkonzipierten Dramaturgie folgt, die schöne, in Erinnerung bleibende Kontraste schafft.

Majestätischer Start

Los geht es majestätisch, prunkvoll, feierlich mit dem Rondeau aus Mourets Suite de Symphonies-Fanfares, in dem sich strahlend hell tönender Trompetenklang stilvoll von einer fein austarierten Orgelgrundierung abhebt. Zwischen den tänzerisch anmutenden Melodien des zweiten Satzes, des Gracieusement sans lenteur, scheint Trösters Instrument mit Freude zu singen.

Dann der kunstvoll inszenierte Kontrast mit Massenets sentimentaler "Méditation de Thais" aus der gleichnamigen Oper, die der Komponist darin verwendet, um das Nachdenken der Protagonistin und ihre daraus folgende Hinwendung zum Christentum zu begleiten.

Zart und einfühlsam entfaltet Haupt das Stück auf der Orgel, bevor bei Bellinis Konzert Es-Dur lange Melodien erklingen, kunstvoll und farbenreich in Szene gesetzt von Tröster an der Trompete. Zusammen mit Haupt gelingt es ihm, das um 1823 komponierte Stück leicht wirken zu lassen – so, als würde es über die Köpfe der Zuhörer hinwegschweben.

Überaus nuanciert und gefühlvoll intonierend, liefert er in Kees Vlaks "Secret Lovesong" auf dem Kornett schöne Farben, kunstvoll und technisch brillant inszeniert er in Jules Levys "Grand Russian Fantasia" ausladende musikalische Bewegungen. Mit viel Wärme verleihen die beiden Musiker dem aus der Zeit der Sklaverei stammenden Spiritual "Sometimes I Feel Like A Motherless Child" bluesige Anklänge und Südstaaten-Sound.

Kräftiger Jubelklang

Für Wagners Festmusik aus den "Meistersingern" langt Haupt kräftig in die Tasten, um einen vollen, satten, kräftigen Jubelklang entstehen zu lassen, der mit elegantem Glanz, monumentaler Festlichkeit und dröhnender Wuchtigkeit die Kirche durchströmt.

Weil er von den Blicken des Publikums verborgen auf der Empore sitzt, kann man nur erahnen, wie flink Haupts Hände über den Spieltisch gleiten und wie seine Füße die Pedale treten, bevor die Musik in strahlendem Fortissimo endet.

Nicht weniger virtuos und kraftvoll präsentiert er Bachs Fantasie und Fuge g-moll (BWV 542), hin und her wechselnd zwischen Leidenschaft und Elegie. Kein Wunder, dass das begeisterte Publikum am Ende des Konzerts tosenden Beifall spendet.